1. Akt – Zuhause
Sonntagabend. Kurz vor halb Elf. Ich bin im Bad. Sie in der Küche. Die Wärmflasche füllen. Plötzlich ein furchtbarer Schrei. Panik. Sie schreit: „Die Wärmflasche ist geplatzt!“ Ich renne in die Küche. Ziehe sie ins Bad. Über die Badewanne. Bekleidung aus. Brause an. Kühlen. Nur gerade handwarm. Nacken, Schulter und Oberarm sind knallrot wie nach einem Tag am Strand. Am Hals sind schon Blasen. Weiter Kühlen. Kühlen. Kühlen. Kühlen. Eigentlich soll man ja nur kurz kühlen. Aber sie hält es ohne nicht aus. Es muss schrecklich sein. Selber fahren? Sie sagt nein. Es geht nicht. Ich wähle den Notruf. Name und Adresse sind ja bekannt. Was ist passiert? Wieviel Fläche ist betroffen? Notarzt? Nein. Danke. Das Gespräch dauert 45 Sekunden. Wieder ins Bad. Weiter kühlen. Schnell noch eine andere Hose anziehen. Ich gehe raus an die Straße. Der Rettungswagen muss gleich da sein. Die Hausnummer ist schwer zu finden. Dann sehe ich Blaulicht. Ich winke wild. Sie suchen. Sie sehen mich erst nicht. Aber dann. Die Hilfe ist da. Wir gehen rein. Kurze Schilderung. Krankenkassenkarte. Ein paar nasse Handtücher. Ab in den Rettungswagen und los mit Blaulicht. Bis gleich.
2. Akt – Notaufnahme
Ich packe die Handtasche mit den wichtigsten Dingen. Betrachtet kurz das Chaos in Küche und Bad. in Beiden Räumen ist eigentlich nur Wasser auf dem Boden. Auf den ersten Blick scheint nichts passiert. Ich packe eine weitere Tüte mit ein paar Sachen: Zahnbürste, Medikamente, Handyladekabel, Powerbank, T-Shirt, Jogginghose. Nur für den Fall der Fälle. Ich habe so ein Gefühl. Dann fahre ich in die Notaufnahme. Sie sitzt im Schockraum. Weint. Leidet sehr. Zwei Pflegerinnen kümmern sich. Der Zugang liegt. Eine Infusion läuft. Sie hat starke Schmerzen. Novalgin wirkt bei ihr nicht. Irgendwann geben sie ihr endlich etwas stärkeres. Das Mittel (Dipidolor) wirkt. Sie wird ruhiger. Der Schmerz wird weniger.
Sie tragen Brandgel auf. Verbinden die Stellen. Es ist kompliziert zu verbinden. Es werden Fotos gemacht. Man nimmt Kontakt mit dem Verbrennungszentrum in Lübeck auf. Sie schätzen 6 Prozent sind betroffen. Verbrühung Grad 2a. Vielleicht auch 2b. Wir reden. Dann kommt der Arzt wieder: Sie wird nach Lübeck verlegt. Der Rettungswagen ist auf dem Weg. Ich muss mich beeilen. Schnell nachhause, noch wichtige Dinge holen. Ins Auto. Die Stadt ist frei. Zuhause die Liste abgehakt und schnell zurück. Nach 20 Minuten bin ich wieder da. Rechtzeitig. Nach mir kommt der Rettungsdienst an. Es ist die selbe Besatzung. Auf die Trage. Zudecken. Es ist kalt draußen. Dann in den Rettungswagen. Küsschen. Alles gute. Bis nachher. Sie fahren los.
3. Akt – Universitätsklinikum
Es ist kurz nach halb eins. Erstmal nachhause. Ein bisschen aufräumen. Versuchen runterzukommen. Bettfertig machen. Gedanken kreisen. Wecker auf acht Uhr gestellt. Schlafen geht erstmal nicht. Schreibe noch mit der Kollegin in der Leitstelle. Es ist kurz nach zwei Uhr. Der Rettungswagen ist schon in Lübeck. Irgendwann schlafe ich dann doch ein.
Das Telefon klingelt um kurz vor acht. Sie ist es. Sie ist in Lübeck. In der Notaufnahme. Alleine. In einem Raum. Schmerzen sind ok. Keiner kümmert sich. Kein Handy-Empfang. Nur Whats-App geht über WLAN. Wir sprechen kurz. Ich rufe für sie bei der Arbeit an. Dann wird sie abgeholt.



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