Die Wärmflasche – Akt 4

Katharina und der Rettungsdienst auf dem Weg ins Krankenhaus

Der zweite Teil zum Unfall mit der Wärmflasche. Hier ist Teil 1.


*Gekennzeichnete Namen sind geändert.

Es ist Montag Mittag, als Katharina mich erneut anruft. Sie ist inzwischen auf einer Station im fünften Stock gelandet und liegt, erfreulicherweise, alleine in einem modernen Zimmer auf der plastischen Chirurgie mit Blick auf den Innenhof und den Hubschrauberlandeplatz.

Die Schmerzen sind immerhin kein Problem mehr und sie fühlt sich gut betreut. Die Ankunft in der Notaufnahme frühmorgens war aber alles andere als freundlich…

Ankunft in der Notaufnahme

Nach der Erstversorgung wurde sie mit dem selben Rettungswagen nach Lübeck verlegt, mit dem sie auch in die Notaufnahme der Diako Flensburg gefahren wurde. Das hatte sie sich auch gewünscht, denn die Kollegin hatte sie bei der Fahrt so lieb betreut.

Die Strecke nach Lübeck ist leider so lang wie sie ist, knapp zwei Stunden dauert die Fahrt. Währenddessen unterhält sie sich aber angeregt und ausführlich mit der Kollegin Teresa*. Da kann der fahrende Kollege Franjo* beim Blick in den Rückspiegel nur den Kopf schütteln „wie man denn so viel quatschen kann“. Franjo ist eher der schweigsame Typ.

Um kurz nach zwei Uhr nachts kommen sie in der Notaufnahme des UKSH in Lübeck an. Jetzt beginnt der einzige, schlechte Teil der gesamten Wärmflaschen-Geschichte.

In der INA (Interdisziplinären Notaufnahme) werden sie und die Besatzung vom Rettungswagen erstmal mit den Worten begrüßt: „Warum seid ihr denn hier? Kann die Diako sowas nicht selber?“

Sowas will man als Patientin oder Rettungsdienst natürlich hören. Erst recht nicht Montagnacht um zwei Uhr. Das vermittelt sofort kein professionelles Gefühl. Es ist ja auch nicht so, dass man einfach nach Lübeck gefahren ist. Vorher wurden digitale Bilder gemacht, an die Verbrennungsstation geschickt und natürlich auch telefonisch Rücksprache gehalten, ob das denn notwendig wäre. Und Lübeck hat dies bejaht. Man schätzt, dass fünf bis sechs Prozent der Körperoberfläche von Verbrühungen des Grades 2a betroffen sind. Und da auch der Hals betroffen ist, könnte es bei Schwellungen auch die Atmung betreffen. Sicherheit geht vor.

Ein übelgelaunter Arzt

Nun ist sie also da und der Rettungsdienst verabschiedet sich. Katharina wird erstmal in einen warmen Raum geschoben und liegt dort ganz alleine. Kein Handyempfang (nur über das Gäste-WLAN Telefonie und Daten möglich), der Akku ist bald alle, keine Klingel am Bett und keiner kümmert sich um sie.

Um kurz nach vier kommt dann endlich ein Chirurg von der Verbrennungsstation zu ihr.

Dr. Bamse* ist maximal schlecht gelaunt und sieht aus, als ob er vier Tage durchgearbeitet hat. Nach einer Begutachtung der Wunde erklärt er, dass die abgelöste Haut abgetragen werden muss. Das geschieht durch einfaches Abreiben mit einer Binde. Er könne ihr dafür auch ein Schmerzmittel geben aber „da müsste ich die Anästhesie dazu holen, dazu habe ich eigentlich keine Lust weil das dauert. Schaffen Sie das auch so?“

Das Abreiben muss die Hölle sein. Von der verbrühten Haut rubbelt er die losen Fetzen herunter. Dr. Bamse* zählt immer wieder von fünf auf eins herunter und macht dann Pause. Aber irgendwann hat sie es geschafft.

Auf die schlimmsten Stellen wird künstliche Haut aufgetragen. Das schützt die Wunde, verwächst mit ihr und kann nach und nach abgeschnitten und irgendwann gelöst werden. Danach wird alles verbunden. Das ist aufgrund der betroffenen Stellen an Nacken, Hals, Schulter und Oberarm nicht so einfach. Der Arzt macht es aber maximal schlecht. Das sagen später auch alle anderen Beteiligten der Pflege und ärztliche Kolleg:innen.

Nach dieser Tortur wird sie dann irgendwann auf die Station gebracht und kann sich dort erstmal erholen.


Beitragsbild: Erzeugt mit ChatGPT. Zeigt die Rettungsdienstbesatzung und Katharina im Rettungswagen. Mit dem Bild hat sie sich später auch beim Rettungsdienst für die gute Betreuung bedankt.

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