Was macht man, wenn man Familie in Hannover besucht? Hannover hat ja nun nicht die besten Sehenswürdigkeiten. Ja, vielleicht den Maschsee, das Rathaus, den Zoo oder die Herrenhäuser Gärten. Aber sonst?
Einen Park oder Garten zu besuchen ist an sich ja immer eine gute Idee für einen ruhigen Ausflug. Erst recht bei gutem Wetter wie an dem Tag unseres Besuches. Die Herrenhäuser Gärten sind aber nicht so spannend, außer man mag geometrisch angelegte Barockgärten wie den Großen Garten.
Einmal über die Straße vom Großen Garten, liegt der sogenannte Berggarten. Einen Berg gibt es hier nicht (mehr). Der Name kommt von einer eiszeitlichen Sanddüne, die hier bei der Errichtung noch bestand.
Herzog Johann Friedrich ließ den Garten im Jahr 1666 als Küchengarten für den Gemüseanbau anlegen. Schon ab 1686 wandelte sich die Nutzung. Man züchtete Tabak und Maulbeerbäume, versuchte die Anzucht allerlei exotischer Gewächse und sogar die Haltung von Seidenraupen zur Herstellung von Seide.
Kakteen-Haus, Tropenhaus und Orchideenhaus
Wir sind als erstes in die, Schauhäuser genannten, drei Gewächshäuser nach dem Eingang gegangen. Auf das trocken-warme Kakteen-Schauhaus mit Kakteen, Aloen und Agaven folgte das schwülwarme Tropenhaus mit Palmen, Schlingpflanzen und einem Teich und dann das wieder feucht-warme Orchideenhaus. Es ist schon faszinierend zu sehen, was für Pflanzen die Natur so in allen Klimazonen hervorgebracht hat.
Angenehmerweise waren die Pflanzen ohne die einheimische Fauna, also Moskitos und Co., zu bestaunen.
Im Schmuckhof
Im sogenannten Schmuckhof, zwischen den Gewächshäusern und der alten Bibliothek, sind viele verschiedene Pflanzen unter freiem Himmel zu betrachten.
Um ein Karree in der Mitte waren außen zwischen zahlreichen Sorten von Zitronen auch viele verschiedene Arten an Geranien in Töpfen gepflanzt. Das Besondere daran: In den Pflanzen steckt jeweils ein Stab. Am oberen Ende ist auf einer Plakette der Lateinische Name bzw. der Deutsche zu angebracht. Das Schild mit der Bezeichnung kann aber zur Seite gedreht werden.
Ein weiteres Schild fordert dazu auf, doch mal an den Blättern zu reiben und dann zu riechen. Unter dem Schild verbirgt sich dann das zu riechende Aroma.
Das Reiben und Riechen an den verschiedenen Geranien brachte viele verschiedene Aromen hervor: verschiedene Zitrusnoten von leicht bis schwer, Rosenduft, Cola-Aroma, Zimt, Herbes Parfum und so weiter.
Wie liest man eine Sonnenuhr?
Sonnenuhr im Schmuckhof
In der Mitte des Schmuckhofes, in einem quadratischen, leicht tiefergelegten Teil, umgeben von Sukkulenten, steht eine Sonnenuhr auf einem Sockel aus Stein. Jetzt war uns das Prinzip einer Sonnenuhr grundsätzlich nicht unbekannt. Dachten wir.
Zum Zeitpunkt unseres Besuches war es genau 13 Uhr. Die Sonnenuhr zeigte aber genau XII Uhr an. Okay. Laut Inschrift ist die Uhr vom königlichen Mechanikermeister John Rowley 1719 in London hergestellt worden. Also muss man vielleicht um eine Stunde zurückrechnen auf GMT. Kommt ja hin.
Aber was haben die Tabellen um den „Uhrzeiger“ herum zu bedeuten? Was sollen sie berechnen? Wir wurden nicht schlau daraus.
Zuhause habe ich dann herausgefunden, dass die Orginal-Uhr 1983 gestohlen aber wiederbeschafft werden konnte. Jetzt steht lediglich einen Nachbildung auf dem Sockel. Die Konstruktion hat durch die Skalen eine Genauigkeit von einer halben Minute und gilt damit als die genauste Sonnenuhr Europas!
Das Mausoleum der Welfen
Mausoleum im Berggarten
Am, vom Eingang aus gesehenen anderen Ende des Berggartens, am Ende einer langen Lindenallee, liegt das Welfenmausoleum. Dort liegen mehrere Mitglieder der Familie in der Gruft.
Links neben der mächtigen, mit Kupfernem Beschlag dekorierten Doppeltür, weist eine Platte auf den, im Exil verstorbenen, letzten König von Hannover hin: Georg V. von Hannover.
Er wurde von den Preußen besiegt und musste 1866 ins Exil nach Paris fliehen. Er wurde nach seinem Tod in der St George’s Chapel in Windsor Castle beigesetzt.
Fazit
Uns hat der Besuch des Berggartens sehr gefallen. Er bietet von Kakteen und tropischen Pflanzen über Blumen, Stauden, Gräsern bis zu Büschen, Bäumen und Teichen eine abwechslungsreiche Mischung an Pflanzen aus aller Welt. Und es gibt überall gute Sitzgelegenheiten zum Pause machen. Stichwort: ME/CFS.
Ich bin sicher, der Garten ist auch einen mehrfachen Besuch wert. Schließlich ändert sich die Vegetation ja im Verlauf eines Jahres stark,
Besonders angenehm fand ich die moderaten 5 € Eintritt für Erwachsene (Jahreskarte 35 €). Kinder unter 18 Jahre haben übrigens freien Eintritt.
Nach Eröffnung des neuen Ausstellungshauses mit Pflanzen der Kanarischen Inseln kommen wir bestimmt einmal wieder!
Endlich beginnt der erste richtige Urlaubstag! Der Tag gestern war ja, bis auf das Frühstück, eher zum Vergessen.
Nachdem wir uns sehr ausführlich ausgeschlafen haben mache ich mich wieder auf den Weg zum örtlichen Sigma Supermarkt. Wir können ja nicht jeden Tag nur die sehr leckeren Backwaren aus der Pasticceria Lorenzo essen.
Einkauf und Frühstück
Ich hole mir also einen Einkaufswagen und schlendere durch den Markt. Am Anfang sind Obst und Gemüse, dann folgen Milchprodukte, dann geht es rechts herum und Käse- , Fleisch- und Backtheke schließen an. Gegenüber sind dann die normalen Regalreihen.
Die Käse- und Fleischtheke sind ein Traum. Es gibt auch jede Menge frische Dinge wie diverse Salate, Cremes und gefüllte Pasteten. Außerdem natürlich Anitpasti. In einem Regal hinter der Theke sind diverse Rohschinken, Kochschinken, Salami und Mortadella aufgereiht.
Fleischtresen im Sigma Camaiore
Es sieht alles so lecker aus aber ich entscheide mich für ein Stück Parmesan, ein Stück Mortadella und eine Packung mit verschiedenen Salami- und Käsesorten. Alles eingeschweißt.
Am Backtresen verlange ich ein ganzes, rundes Brot (Pane rustico) und nehme noch ein paar Teile vom Backregal zu Selbstbedienung mit.
Im Einkaufswagen sind schließlich das Brot, Bananen, Butter, Sprudelwasser, Milch, Aufschnitt, Fleisch, Käse und Nutella. Dann frühstücken wir erstmal. Oder essen Mittag. Es ist inzwischen 12 Uhr.
Alles schmeckt sehr gut. Mir fallen aber ein paar Dinge auf: Ich habe abgepackte Butter in kleinen Portionen gekauft (wie im Hotel). Die hat eine für uns ungewohnte Farbe und Konsistenz. Sie ist schneeweiß und leicht bröckelig. Erst denken wir, dass die Butter irgendwie schlecht wäre aber Google hilft uns. Es scheint so zu sein, dass die Butter einfach wegen ihrer Inhaltsstoffe anders in Optik und Konsistenz ist.
Käse und Wurst schmecken mir sehr gut. Auch die Mortadella ist sehr lecker. Sie ist aber so fettig, dass ich nicht sehr viel davon essen kann.
Gibt es im Deutschen eigentlich einen Begriff für den Zustand, dass man nur eine kleine Menge eines Lebensmittels essen kann bevor einem schlecht wird?
Fahrt durch die Berge nach Lucca
Gestärkt brechen wir zu unserem heutigen Ausflugziel auf: Der Provinzstadt Lucca, auf deren Gebiet auch Camaiore liegt. Von Camaiore gibt es zwei Möglichkeiten: Über die Autobahn SS439 am Fuß der Berge oder über die Hügelstraße SP1. Wir entscheiden uns für die, vermeintlich schönere, Bergroute. Am Ende des Tales von Camaiore steigt die Straße schnell in Serpentinen um viele auf über 200 Meter an. Die Strecke ist nicht so malerisch wie gedacht aber wir kommen ohne Störung durch das ländliche Italien.
35 Minuten später erreichen wir den Zielort Parcheggio Palatucci in unmittelbarer Nähe zur Altstadt. Der Parkplatz dort überrascht mit den geringen Parkgebühren.
Gebührentafel
Ankunft in Lucca
ChatGPT sagt über Lucca:
Lucca ist eine charmante, von vollständig erhaltenen Renaissance-Stadtmauern umgebene Stadt. Auf den Mauern verläuft heute eine breite Promenade, die zum Radfahren und Spazieren einlädt. Innerhalb der Mauern findet man enge Gassen, romantische Plätze und zahlreiche Kirchen, weshalb Lucca auch „die Stadt der 100 Kirchen“ genannt wird. Das Herz bildet die Piazza dell’Anfiteatro, ein ovaler Platz auf den Grundmauern des römischen Amphitheaters. Der Guinigi-Turm mit seinen Bäumen auf der Spitze bietet eine weite Aussicht. Lucca ist für seine mittelalterliche Atmosphäre, seine lebendige Kultur sowie kulinarische Spezialitäten wie die Torta di Erbi bekannt.
Wir gehen durch das nur 100 Meter entfernte Stadttor Porta San Donato unter der Stadtmauer durch und schon sind wir in der Altstadt. Die Stadtmauer ist übrigens richtig breit. Oben hat sie eine Breite von etwa 25 Metern. Nach außen ist es sie gemauert, zur Stadt hin ist es ein breiter, abfallender Wall.
Enge Nebenstraße in Lucca
Radtour auf der Stadtmauer
In der Via del Crocifissio mieten wir bei einem Fahrradverleih günstig zwei einfache Fahrräder (ca. 20 € für 2 Stunden) und fahren an der nächsten Möglichkeit auf die Stadtmauer. Gemütlich radeln wir gegen den Uhrzeigersinn auf ihr entlang. Links haben wir immer eine gute Sicht auf die Altstadt, auf ihrer Kirchen, auf die Hinterhöfe und kleinen Gassen. Nach rechts liegt immer der freie Blick auf die restliche Stadt offen. Außerdem ist der Weg so breit wie eine zweispurige Straße, so dass genug Platz ist um viel nach links und rechts zu schauen oder spontan anzuhalten.
Basilica di San Frediano
Basilica di San Frediano von außen
Bei dreiviertel der Runde fahren wir die Rampe von der Stadtmauer hinunter und schließen unsere Räder an der Basilica di San Frediano an. Vor der Kirche ist ein kleiner Platz, an dessen Rand die Gäste von Restaurants gemütlich unter Sonnenschirmen sitzen. Außerdem gibt es diverse kleine Geschäfte in den Häusern drumherum. Es herrscht geschäftiges Treiben.
Da die Kirche irgendwie interessant aussieht und es auch unsere erste italienische Kirche ist, gehen wir hinein. Der Eintritt beträgt Drei oder Vier Euro. Der Glockenturm kann auch bestiegen werden, das kostet dann aber extra. Katharina kann das schon wegen ihres schmerzenden Beines nicht und auch nicht wegen ihrer Erkrankung (ME/CFS und POTS).
Als erstes fällt mir auf: Sie ist nicht so kühl wie nordeuropäische Kirchen. Bei uns sind die Kirchen ja auch im Sommer immer deutlich kühler als die Temperaturen draußen. Der Unterschied ist hier kaum fühlbar. Ob das an den deutlich höheren und länger andauernden Temperaturen in der Gegend liegt?
Als zweites fällt mir die Akustik auf. Die ist bei weitem nicht so hallig wie die Kirchen die ich so kenne. Vielleicht liegt es an den verwendeten Steinen?
In einem Seitenschiff liegt die Mumie der heiligen Zita von Lucca unter einer Glasabdeckung. Sie soll mehrere Wunder vollbracht haben. Unter anderem gab sie ihren Mantel einem Bettler und später erschien Jesus neben ihr und brachte den Mantel zurück.
Spaziergang durch die Stadt
Nach dem Verlassen der Kirche lassen wir die Fahrräder dort angeschlossen und erkunden ein bisschen die alten, engen Gassen.
Aber erstmal suchen wir die Apotheke an der Ecke auf. Denn Katharina bräuchte eventuell ein Medikament. Das Rezept ist bereits von ihrem Hausarzt als e-Rezept auf ihre Krankenkassenkarte geladen worden. Wir erkundigen uns also, ob das Rezept auch in Italien einzulösen ginge. Natürlich geht es (noch) nicht. In Papierform ginge es. Digital soll noch kommen. Das gewünschte Medikament hat die Apotheke aber sowieso nicht da. Wir bedanken uns für die Auskunft und schlendern weiter durch die umgebenden Gassen.
Es gibt viele kleine Läden. Bäckerei, Weinhandlung, Mode, Handy, Souvenirs. Aber alles noch mit einer sehr gesunden Mischung.
Ein Blumenladen nur für Plastikblumen
Nach nur ein paar dutzend Metern kommen wir an der der Gelateria Veneta vorbei. Katharina lädt ihren Akku erstmal mit zwei Kugeln leckeren Eises auf.
Nach nochmal 40 Metern treten wir rechts durch einen Torbogen durch die Häuser und stehen auf der Piazza dell’Anfiteatro. Es ist ein ovaler, mittelalterlicher Platz mit vielen Restaurants und Geschäften an seinem Rand. Die Form erinnert nicht zufällig an das Kolosseum in Rom. Auch hier in Lucca stand einst ein Amphitheater der Römer.
Ein bisschen nervt es allerdings, dass mehrere Musikanten auf dem Platz gleichzeitig spielen.
Zurück in den Gassen kommen wir irgendwann an einem kleinen Laden mit Kunst vorbei. Mir gefallen einige Drucke sehr. Aber natürlich kaufe ich erstmal nichts und nachher kommen wir nicht mehr daran vorbei oder ich denke nicht mehr daran. Typisch…
Im örtlichen Bialetti-Laden stöbern wir dann durch die verschiedenen Kocher und das Zubehör. Katharina ist Feuer und Flamme und möchte am liebsten eine kaufen. Die sehen alle auch sehr schick aus. Aber wir sind bisher beide keine großen Kaffeetrinker. Ich trinke Kaffee nur mit 80 % Milch und Zucker. Sie ähnlich. Bisher haben wir zuhause auch nur eine Dolce Gusto Kapselmaschine. Aber das ist erstens natürlich geschmacklich zweifelhaft und preislich und umwelttechnisch eine Katastrophe.
Ich bin aber nicht davon überzeugt einen Mokka-Kocher zu kaufen. Mir schmeckt ja Filterkaffee schon nicht. Und Mokka ist ja noch stärker. Katharina gibt irgendwann auf mich zu überzeugen und wir verlassen den Laden ohne etwas zu kaufen (Hinweis: Inzwischen nutze nur ich die Bialetti zuhause).
Auf dem Rückweg mit unseren Fahrrädern von der Kirche zur Stadtmauer lugen wir in den Innenhof des Real Collegio die Lucca hinein. Es ist war früher Kloster der anliegenden Kirche, dann eine Schule und ist jetzt Veranstaltungszentrum. Sehr nett.
Innenhof des Real Collegio di Lucca
Rückfahrt und Tagesabschluss
Die Rückfahrt führt uns nicht über die Berge, sondern über die Autobahn am Fuß der Berge. Hier kommen wir zum ersten Mal in Kontakt mit den Maut-Stationen in Kontakt. Das Bezahlen ist mit Bargeld und kontaktlos möglich.
Die Autobahn hat man nicht wirklich am Fuß der Berge gebaut, sondern in die Flanke. Teilweise steht die Straße auf Stelzen und Brücken überqueren breite Täler. Nach links hat man durch die Höhe eine Fernsicht bis zum Meer.
Zurück in der Ferienwohnung gibt es für Katharina Tortellini mit Fleisch und für mich ich Tortelloni gefüllt mit Salsiccia und Gemüse. Außerdem noch ein italienisches Bier.
Montagmorgen. Der erste richtige Urlaubstag beginnt. Der Anreisetag gestern ist ja nicht so wie erwartet zu Ende gegangen. Katharinas Bein tat immer noch weh. Aber immerhin waren wir etwas beruhigter durch die ärztliche Meinung, dass es es keine Thrombose ist. Aber nochmal Kontakt mit dem italienischen Gesundheitssystem müssen wir nicht haben.
Geschlafen haben wir beide ganz gut. Leider gibt es aber keine richtige Bettdecke. Es gibt nur ein Laken und eine Art Tagesdecke. Da es nicht mehr hochsommerlich war, war es nachts schon recht kühl. Meine Wohlfühltemperatur wurde nachts knapp (20 °C) unterschritten. Aber es war aushaltbar. Und zum Glück gab es immerhin keine Mücken! In Italien sind ja schon die ersten Tigermücken unterwegs.
Fahrt zur Pasticcieria und Frühstück
Da wir ja Urlaub haben und ja auch spät zu Bett kamen, haben wir auch lange geschlafen (Das machen wir zuhause sonst aber auch gerne. 😉
Ich stehe als erstes frühmorgens (10:30 Uhr) auf und mache mich mit dem Panda auf den Weg zur Bäckerei bzw. Konditorei des Ortes. Zu Lorenzo Pasticceria & Caffè. Für die knapp zwei Kilometer benötige ich nur vier Minuten. Es geht aber wild drei-, viermal links und drei-, viermal wieder rechts. Teilweise sind die kleinen Straßen nämlich nur Einbahnstraßen.
Straße zur Ferienwohnung
Straße von der Ferienwohnung in Richtung Parkplatz
Das Parken geht hier wieder einfach mit EasyPark. Auch wenn ich nur kurz stehen werde bezahle lieber, denn ich weiß, dass die Italiener bei überhöhter Geschwindigkeit und Falschparken keinen Spaß verstehen. Dann lieber den Euro zahlen statt einen saftigen Strafzettel zu riskieren. Ich weiß ja nicht wie motiviert hier die Kontrolleure sind…
Die Pasticceria ist ein einzeln stehendes Haus mit einer großen, breiten Veranda unter dem vorgezogenem Dach. Im Verkaufsraum steht ein riesiger Tresen mit einer Auslage der unterschiedlichen Backwaren: Viele verschiedene Sorten an Cornetti (Croissants), Kuchen, Torten, Macarons, Cupcakes, Törtchen, Cannoli, Sfogliatelle (Gefüllte Blätterteigtaschen), belegte Foccaccia und vieles mehr. Und hinter dem rechten Bereich des Tresens eine riesige Espressomaschine wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sekundentakt den Siebträger einspannen und Espressi herstellen.
Cornetti mit Füllung Pistazie und Vanillecreme
Füllung satt!
Ich suche uns ein paar Cornetti (gefüllt mit Vanille-Pudding und Pistaziencréme) und etwas herzhaftes aus und fahre zurück in die Ferienwohnung. Es schmeckt unfassbar lecker! Die Cornetti sind aber wirklich seeehr gut gefüllt. So gut gefüllt, dass es schon fast etwas zu viel ist. 😅
Nach dem Frühstück macht sich Katharinas Bein wieder bemerkbar. Und zwar so, dass wir es nicht so lassen wollen, die Tagesplanung verwerfen und den Weg in die Universitätsklinik Pisa auf uns nehmen.
Fahrt nach Pisa zur Uniklinik
Wir erreichen gegen 16:30 Uhr die Notaufnahme der Uniklinik Pisa.
Der Wartebereich sieht aus wie in einer deutschen Notaufnahme. Es sitzen und stehen hier halt jede Menge Menschen herum und warten in schummerigem Licht.
Wir gehen als erstes nach rechts, wo anscheinend eine Art Anmeldung ist. Dort sind sind durch Stellwände, teils mit Fensterscheiben, kleine Abteile eingerichtet.
Am Anmeldetresen sprechen wir vor und versuchen unser Anliegen zu vermitteln. Zum Glück spricht die Dame ein paar Brocken Englisch und holt dann aber ihren Kollegen der leidlich Englisch spricht. Dann überreicht sie uns ein Klemmbrett mit Zettel und Stift. Wir müssen erstmal etwas Papier ausfüllen. Danach warten wir bis wir wieder dran sind. Wir geben die Zettel und Katharinas Krankenkarte ab und sollen uns in den Warteraum setzen. Die Karte bekommen wir schnell wieder aber dann heißt es bestimmt eine Stunde warten.
Dann kommen wir zu einer Art Ersteinschätzung. Die führt der Pfleger durch, der auch etwas beim Übersetzen geholfen hatte. Er untersucht grob Katharinas Bein und wir erhalten eine Wartenummer.
Unsere ist die Nummer 327. Die heißt auf italienisch: Trecentoventisette (Dreihundert Zwanzig Sieben). Und diese Zahl wird den gesamten Nachmittag eine Herausforderung bleiben. Denn die Zahlen werden nicht auf einem kleinen Bildschirm angezeigt, sondern nur von einer Pflegerin wild und in verschiedenen Varianten in den Raum gerufen. Also mal als „dreihundertsiebenundzwanzig“ oder mal als „dreisiebenundzwanzig“. Erschwert wird das dadurch, dass die Zahlen auch nicht aufsteigend aufgerufen werden, sondern völlig willkürlich. Mal sind sie höher als unsere, mal sind sie niedriger.
Wir müssen also jedes mal genau hinhören!
Warten, Warten und nochmals Warten
Nachdem wir uns zwei Sitzplätze gesucht haben beginnt die Warterei. Inzwischen ist es 17:30 Uhr. Wir vertreiben uns die Zeit mit Beobachtung der Geschehnisse in der Aufnahme. Neben vielen Wartenden wie uns kommt ab und zu auch der Rettungsdienst bzw. Krankentransport mit liegenden Patient:innen.
Schnell merken wir, dass wir nicht gut auf eine eventuelle, längere Wartezeit eingerichtet sind: Wir haben nichts zu essen oder zu trinken mit und kein Ladegerät für die Handys.
Ich kann aber auch nicht mal eben mit dem was besorgen fahren, weil Katharina ja jederzeit aufgerufen werden könnte und wir beiden zusammen ja schon immer gegenseitig nachfragen müssen ob das gerade unsere Zahl war. Außerdem muss ich bei Bedarf übersetzen.
Wir sind also im Warteraum gefangen. Mit sinkenden Akkuständen und ohne Verpflegung.
Kaffeeautomat 2
Kaffeeautomat 1
Einziger Lichtblick wären die diversen Automaten. Zwei bereiten diverse Kaffeespezialitäten vor. Und beide mahlen jeweils frische Bohnen und machen bestimmt einen guten Caffè (Espresso) und andere Heißgetränke. Das gibt es nur in Italien. 😁
Der andere Automat ist für Snacks. Leider ist dort die kontaktlose Bezahlmöglichkeit defekt. Und wir haben nur minimal Kleingeld dabei… Das bedeutet für uns: Nur ein kleiner Snack und ein Wasser.
So ziehen sich die Stunden dahin.
Gegen 21:30 Uhr werden wir dann endlich aufgerufen und werden in einen Flur hinter einer Tür geleitet. Dort stehen sitzen und stehen viele weitere Patient:innen. Es liegen aber auch etliche in Krankenhausbetten. Teilweise am Tropf oder an Überwachungsgeräten.
In einem großen Raum vom Flur ab ist eine Art Überwachungssaal, wo nur Betten mit liegenden Patient:innen stehen. Katharina kann im Flur sitzen. Ich will (und kann) inzwischen nicht mehr sitzen.
Irgendwann kommen wir dran und werden von einem recht jungen Arzt in ein Zimmer gebeten. Nach kurzer Erklärung der Vorgeschichte untersucht er das Bein von außen und macht dann auch ein Ultraschall. Die Untersuchung ergibt: Weiterhin keine Thrombose. Sehr gut!
Ein langer Tag geht zu Ende
Wir verlassen die Notaufnahme um kurz vor 23 Uhr. Sieben Stunden haben wir jetzt mit Ersteinschätzung, Warten und Diagnostik zugebracht. Das wäre in Deutschland wahrscheinlich nicht viel schneller gegangen. Aber immerhin haben wir endlich die Bestätigung, dass es definitiv keine Thrombose ist!
Jetzt sind wir einfach nur kaputt, müde, hungrig und durstig und wollen endlich zurück in die Ferienwohnung. Ciao Pronto Soccorso!
Wo bekommt man denn aber jetzt noch etwas zu Essen und zu Trinken? Da fällt uns natürlich McDonalds ein! Die gibt es auf der ganzen Welt und die haben immer auf.
Diese Theorie entpuppt sich aber leider als falsch. Die beiden am nächsten gelegenen Filialen haben nur bis 23 Uhr geöffnet. Angesichts der Tatsache, dass wir beide leicht hungerbös sind, habe ich auch keine große Lust noch lange Umwege zu fahren.
In Pisa finden wir also nichts zu Essen. Nicht einmal die Tankstellen haben auf. Die Stadt ist wie ausgestorben. Tote Hose. Frustrierend.
In Lido di Camaiore, in der Nähe des Krankenhauses wo wir gestern waren, ist auch ein McDonalds. Aber auch der macht gerade zu als wir ankommen… 😢
So bleibt uns nichts anderes übrig, als zur Unterkunft zu fahren und ein paar spärliche Reste aus dem Kühlschrank zu essen.
Müde und hungrig gehen wir zu Bett und schlafen wie die Steine.
Sonntagmorgen Ende September 2024 um 5 Uhr. Der Wecker klingelt.
Endlich ist es soweit. Unser erster richtiger Urlaub in Italien beginnt!
Wir, dass sind meine Freundin Katharina und ich. Vier Jahre sind wir schon zusammen. Und, aus gewissen Gründen, haben wir bisher keinen gemeinsamen Urlaub gemacht.
Warum es unser erster richtiger Urlaub ist
Wir haben uns Mitte 2020 während Corona kennengelernt. Außer zwei Tagen auf Pellworm war kommenden eineinhalb Jahre war dann gar nichts mit Reisen. Ganz im Gegenteil sogar. Lockdowns und Kontaktverbote bestimmten auch unser beider Leben.
Dann kam die Phase der Impfungen und Katharina wurde plötzlich krank. Nach einer langen Odyssee von Arzt zu Arzt haben wir inzwischen eine Diagnose: ME/CFS durch die Covid-Impfung. Post-Vac-Syndrom. Das bedeutet: Eine dauerhafte, tiefgehende körperliche Erschöpfung auf Zellbasis. Eine Therapie gibt es bisher nicht. Lange Ruhepausen sind nach Aktivitäten notwendig. Sie hat 100% Erwerbsunfähigkeit und eine 60 % Schwerbehinderung.
Wir mussten also warten bis sich Katharinas Zustand soweit gebessert hatte, dass eine Flugreise überhaupt möglich ist.
Anreise nach Pisa
Ich habe die Reise im Kopf also schon dementsprechend geplant. Nicht zu viel Aktivitäten. Möglichst mit dem Auto fahren. Viele Pausen einplanen.
Wir beladen das Auto und fahren nach Hamburg zum Flughafen. Von dort fliegen wir nach Frankfurt (Natürlich mit Maske). Dort wartet die erste Herausforderung: Das Umsteigen. Vom Flugzeug geht es in den Bus der uns (stehend) über das Rollfeld zum Terminal bringt. Vom Terminal A (die genaue Nummer weiß ich nicht mehr) müssen wir (gefühlt) 1,5 km zum anderen Terminal laufen. Und natürlich haben wir immer die Uhr im Hinterkopf, denn so viel Umsteigezeit haben wir nicht.
Aber wir schaffen es ohne Probleme und sind bald schon über den Alpen. Schnell kommt auch Pisa in Sicht.
Flughafen und Mietwagen
Nach der Landung fällt mir schon auf: Der Flughafen ist nicht mehr der modernste. Schon von außen sehen die Gebäude etwas abgeranzt aus. Naja italienischer Charme halt. Der erste äußere Eindruck wird innen bestätigt. Aber wir bekommen ganz normal unser Gepäck und verlassen dann den Flughafen.
Von vorne macht der Flughafen nicht ganz so einen schäbigen Eindruck.
Was und sofort auffällt: Zuhause waren es noch 11 °C, hier in Pisa sind es wohlige 24 °C.
Wir gehen vom Terminal nur vorne an den Bussteig und nehmen den Transfer-Bus zum Mietwagenzentrum (stehend). Nach 5 Minuten Fahrt sind wir da.
Nachdem die üblichen Formalitäten erledigt sind können wir unser Auto für den Urlaub übernehmen: Ein blauer Panda. Immerhin sogar mit CarPlay!
Unser Panda
Fahrt nach Viareggio
Da wir unsere Ferienwohnung erst ab 15 Uhr beziehen können und es jetzt erst 10:30 Uhr ist, müssen wir die Zeit irgendwie sinnvoll füllen.
Das ist aber kein Problem, denn seit dem Start zuhause gab es nur die (zweifelhaften) Snacks im Flugzeug. Etwas leckeres zu Essen und zu trinken zu finden ist also mehr als notwendig.
Unser Plan ist erstmal vom Flughafen Pisa bis nach Viareggio zu fahren. Das sind etwa 22 Kilometer mit einer halbe Stunde Fahrt. Also schnell das Navi programmieren und los geht es!
Der Anfang ist etwas verwirrend. Nicht wegen des italienischen Verkehrs, sondern weil uns Google Maps in ein Wohngebiet in die völlig falsche Richtung führt. Dann fahren wir über eine Überführung auf eine Kraftfahrstraße. Nach kurzer Zeit sollen wir aber umdrehen und fahren wieder über die gleiche Brücke zurück zum Flughafen. Keine Ahnung was das Problem ist.
Nach einer erneuten Eingabe der Daten sind wir endlich auf der richtigen Route und dann auch schnell in Viareggio.
Essen in Viareggio
Der Ort hat etwa 60.000 Einwohner:innen und bietet einen langen breiten Strand, eine lange, moderne Promenade mit Fußgängerzone und vielen Geschäften. Für uns wirkt alles einfach herrlich mediterran.
Viareggio verfügt über einen Yachthafen mit vielen kleinen und großen Yachten und vielen Werften/Yachtunternehmen. Außerdem teilt ein Fluss die Stadt.
Wir versuchen erst im südlich gelegenen Teil ein Restaurant zu finden. Aber an der Viale Europa hat alles noch zu bzw. es ist nichts los. Das lockt mich nicht so. Wir fahren also auf die andere Seite vom Fluss wo ich zuhause schon eine Pizzeria rausgesucht hatte.
Wir parken so nah wie möglich an der Promenade damit Katharina nicht so viel laufen muss. Zuviel Wärme verträgt ihr Kreislauf nicht. Stichwort: POTS.
An der Promenade gehen wir zur L’Antica Pizzeria Da Michele Viareggio. Die Pizzeria hat 4,8 von 5 Sternen bei Google Maps. Das muss ja schon was heißen. Und sogar Prominente wie Julia Roberts haben hier schon gegessen.
Pizzeria Da Michele Viareggio
Das Restaurant ist gut besucht aber nicht voll und wir bekommen drinnen einen Tisch für zwei. Draußen in der Sonne hätten wir es auch nicht ausgehalten. Direkt am Eingang ist die offene Küche mit einem riesigen Pizzaofen und einer Fritteuse. Hier wird Calzone auch frittiert!
Pizzaofen
Fritteuse
Wir bestellen schnell unsere Getränke (Ich: Großes Bier, Sie: Wasser) und das Essen (Ich: Calzone, Sie: Pizza Bianco).
Innerhalb von Minuten ist das Essen fertig und Katharinas riesige Pizza, bestimmt 40 cm im Durchmesser, und meine Calzone landen bei uns auf dem Tisch!
Calzone
Pizza ist da!
Mit großem Appetit fallen wir über unser Essen her. Und es schmeckt einfach unfassbar lecker!
Un Gelato, per favore!
Natürlich schaffen wir nicht alles und Katharina lässt sich den Rest im Karton zum mitnehmen einpacken. Keine gute Idee wie sich später herausstellt, denn die Pizza wird aufgrund der Wärme draußen schnell ungenießbar.
Nun machen wir uns auf den Weg nach einem Nachtisch. Und was liegt näher als ein italienisches Eis!
Nicht weit von der Pizzeria liegt das mehrfach preisgekrönte Laboratorio del gelato. Dort essen wir unfassbar gutes Eis! Ich: Schokolade. Sie: Pistazie und Vanille. Mein Schokoladeneis schmeckt so cremig und lecker wie eine Mousse au Chocolat! Unfassbar lecker. Und preislich voll in Ordnung.
Gelato!
Wir schlendern durch die Nebenstraßen zurück zum Auto.
Es sieht einfach aus wie man sich Italien so vorstellt. Alte Häuser, teils gut gepflegt, teils etwas schlechter, hölzerne Fensterläden, alte Briefkästen und Klingeln, filigrane Balkone, alte Kirchen und krumme Bäume.
Kirche
Briefkästen
Nebenstraße in Viareggio
Fahrt nach Camaiore
Inzwischen ist es fast 14 Uhr und wir machen uns langsam auf den Weg nach Camaiore (10 km, 15 Minuten Fahrt). Bevor wir zur Ferienwohnung fahren, müssen wir aber noch etwas zu trinken kaufen. Dazu steuern wir den örtlichen Sigma-Supermarkt an.
Das ist schnell erledigt und wir folgen dann dem Navi quer durch den Ort. Die Straßen werden schnell schmaler und der Weg führt leicht bergauf und biegt irgendwann links ab in eine Einbahnstraße. Die ist so schmal, dass ich sehr langsam werden muss, weil ich nicht weiß, ob das Auto überhaupt hindurchpasst! Dann geht es wieder etwa bergab und dann sind wir auch schon da.
Enge Durchfahrt
Ferienwohnung
Zum Ausladen fahre ich kurz in den kleinen Hof. Denn eigentlich ist Parken für uns nur auf einem öffentlichen Parkplatz um die Ecke vorgesehen.
Unser Vermieterin erwartet uns. Sie wohnt im Haupthaus, die Ferienwohnung befindet sich hinten angeschlossen im Hof. Sie übergibt uns den Schlüssel und gibt uns noch ein paar Tipps.
Die Wohnung verfügt über ein Bad, ein Wohnzimmer mit Küchenzeile und ein Schlafzimmer mit Doppelbett. Theoretisch gehört auch noch ein winziger Innenhof zwischen den Häusern dazu. Den werden wir aber nicht nutzen.
Im Hof gibt es noch einen gemauerten Pizzaofen, wein rankt am Gebäude hoch und der Blick ist frei auf die umgebenden Berge.
Ausblick von der Terrasse
Eingang zur Ferienwohnung
Weintrauben
Kleiner Innenhof
Im Supermarkt
Nachdem wir uns grob eingerichtet haben fahren wir nochmal zum Sigma um das notwendigste für Abendbrot und Frühstück einzukaufen.
Der Supermarkt gefällt mir sehr gut!
Es gibt natürlich eine ganz andere Auswahl an Früchten und Gemüse, Milchprodukten, Fleisch und Käse. Vieles abgepackt, gefühlt 500 g große Mortadella-Packungen, aber auch jeweils ein riesiger Fleisch-, Käse- und Backwarentresen. Es gibt natürlich Mortadella, Schinken, Würste, Käste verschiedener Sorten und Brot und Süßes.
Fleischtresen im Sigma Camaiore
Wir decken uns mit allem wichtigen und unwichtigen ein und fahren zurück zur Ferienwohnung.
Thrombose im Bein?
Jetzt würde man normalerweise den ersten Abend im Urlaub mit einem Getränk genießen und sich ausruhen. Aber das ist uns leider nicht vergönnt.
Seit der Ankunft hat Katharina schon Schmerzen im linken Bein. Und sie hatte ja genau in dem Bein vor zwei Jahren eine tiefe Beinvenenthrombose. Seitdem muss sie Kompressionsstrümpfe tragen weil die Venenklappen beschädigt sind. Wegen der Flugreise hatte sie sich extra mit ihrem Hausarzt besprochen und hat sich natürlich besonders Gedanken gemacht. Und ich hatte auch zur Sicherheit eine Reisekrankenversicherung mit Rücktritt abgeschlossen.
Jetzt tut das Bein also weh und natürlich liegt der Verdacht einer Thrombose nicht fern. Jetzt ist guter Rat teuer. Wir nehmen erstmal telefonisch Kontakt zur Versicherung auf und lassen uns beraten. Man rät uns ins nächste Krankenhaus zu fahren oder in die Uniklinik nach Pisa.
Wir nehmen Kontakt zu unserer lieben Vermieterin Alessandra auf und fragen nach dem nächsten Krankenhaus. Das liegt 15 Minuten Fahrzeit von uns in Richtung Viareggio.
Im Ospedale Versilia
Na, das kann ja spannend werden! In einem Land, in dem man selbst nicht die Sprache spricht und auch das Gesundheitssystem nicht kennt, zum Arzt zu gehen. Für die Bestellung einer Pizza oder eines Bieres reicht mein Italienisch gerade so und lesen kann ich auch so einiges. Aber medizinisch reicht das vorne und hinten nicht. Ob und wie gut Englisch dort gesprochen wird, ist ebenfalls fraglich.
Nach kurzer Fahrt kommen wir am Ospedale Versilia an. Nachdem wir geparkt haben orientieren wir uns in Richtung Notaufnahme (Pronto Soccorso). Google Translate ist einfach gut.
Als erstes müssen wir an einem bewaffneten Wachmann/Polizisten vorbei und unser Anliegen vortragen. Wir lernen: Das Wort für Thrombose ist auf italienisch Trombosi. Ein Zeigen auf das Bein macht das Problem schnell verständlich. Wir werden zur Anmeldung vorgelassen, wo die Mitarbeiterin ganz gut Englisch spricht und schnell versteht was los ist. Wir müssen im Wartebereich ein paar Formulare ausfüllen und dann etwas warten. Es sitzen aber lediglich ein paar Leute im Wartebereich. Unsere Krankenkassenkarte wird übrigens problemlos akzeptiert.
Irgendwann bringt uns die Dame dann in einen kleine Nische, die nur mit einem Vorhang vom Flur abgetrennt ist. Der Flur ist eher schwach beleuchtet und es stehen viele Geräte und Betten am Rand. Und in unserem kleinen „Raum“ mit der Größe von 3x3m ist es noch dunkler. Neben einer Krankenhausliege steht dort diverse Geräte wie ein 12-Kanal-EKG, ein Rollwagen und einige Infusionsständer. Es wirkt etwas nach Abstellecke.
Nach etwa 20 Minuten kommt ein älterer Arzt im grünen Kasack zu uns. Der spricht auch ganz gut Englisch, natürlich mit einem niedlichen italienischen Akzent. Ich erläutere die Vorgeschichte und er beginnt das Bein zu untersuchen. Dann verschwindet er kurz und kommt mit einem, etwas älteren, Ultraschallgerät zurück. Dann schallt er das Bein ausführlich.
Nach kurzer Zeit ist er fertig und präsentiert uns dein Ergebnis: Keine Thrombose. Das zeigt er uns auch auf dem Ultraschall. Wir sollen es beobachten, eventuell Schmerzmittel nehmen und sonst wiederkommen.
Wir fahren zurück zur Ferienwohnung und legen uns erschöpft schlafen.
So haben wir uns den ersten Urlaubstag nun wirklich nicht vorgestellt!