Was macht man, wenn man Familie in Hannover besucht? Hannover hat ja nun nicht die besten Sehenswürdigkeiten. Ja, vielleicht den Maschsee, das Rathaus, den Zoo oder die Herrenhäuser Gärten. Aber sonst?
Einen Park oder Garten zu besuchen ist an sich ja immer eine gute Idee für einen ruhigen Ausflug. Erst recht bei gutem Wetter wie an dem Tag unseres Besuches. Die Herrenhäuser Gärten sind aber nicht so spannend, außer man mag geometrisch angelegte Barockgärten wie den Großen Garten.
Einmal über die Straße vom Großen Garten, liegt der sogenannte Berggarten. Einen Berg gibt es hier nicht (mehr). Der Name kommt von einer eiszeitlichen Sanddüne, die hier bei der Errichtung noch bestand.
Herzog Johann Friedrich ließ den Garten im Jahr 1666 als Küchengarten für den Gemüseanbau anlegen. Schon ab 1686 wandelte sich die Nutzung. Man züchtete Tabak und Maulbeerbäume, versuchte die Anzucht allerlei exotischer Gewächse und sogar die Haltung von Seidenraupen zur Herstellung von Seide.
Kakteen-Haus, Tropenhaus und Orchideenhaus



Wir sind als erstes in die, Schauhäuser genannten, drei Gewächshäuser nach dem Eingang gegangen. Auf das trocken-warme Kakteen-Schauhaus mit Kakteen, Aloen und Agaven folgte das schwülwarme Tropenhaus mit Palmen, Schlingpflanzen und einem Teich und dann das wieder feucht-warme Orchideenhaus. Es ist schon faszinierend zu sehen, was für Pflanzen die Natur so in allen Klimazonen hervorgebracht hat.
Angenehmerweise waren die Pflanzen ohne die einheimische Fauna, also Moskitos und Co., zu bestaunen.
Im Schmuckhof

Im sogenannten Schmuckhof, zwischen den Gewächshäusern und der alten Bibliothek, sind viele verschiedene Pflanzen unter freiem Himmel zu betrachten.
Um ein Karree in der Mitte waren außen zwischen zahlreichen Sorten von Zitronen auch viele verschiedene Arten an Geranien in Töpfen gepflanzt. Das Besondere daran: In den Pflanzen steckt jeweils ein Stab. Am oberen Ende ist auf einer Plakette der Lateinische Name bzw. der Deutsche zu angebracht. Das Schild mit der Bezeichnung kann aber zur Seite gedreht werden.
Ein weiteres Schild fordert dazu auf, doch mal an den Blättern zu reiben und dann zu riechen. Unter dem Schild verbirgt sich dann das zu riechende Aroma.
Das Reiben und Riechen an den verschiedenen Geranien brachte viele verschiedene Aromen hervor: verschiedene Zitrusnoten von leicht bis schwer, Rosenduft, Cola-Aroma, Zimt, Herbes Parfum und so weiter.
Wie liest man eine Sonnenuhr?

In der Mitte des Schmuckhofes, in einem quadratischen, leicht tiefergelegten Teil, umgeben von Sukkulenten, steht eine Sonnenuhr auf einem Sockel aus Stein. Jetzt war uns das Prinzip einer Sonnenuhr grundsätzlich nicht unbekannt. Dachten wir.
Zum Zeitpunkt unseres Besuches war es genau 13 Uhr. Die Sonnenuhr zeigte aber genau XII Uhr an. Okay. Laut Inschrift ist die Uhr vom königlichen Mechanikermeister John Rowley 1719 in London hergestellt worden. Also muss man vielleicht um eine Stunde zurückrechnen auf GMT. Kommt ja hin.
Aber was haben die Tabellen um den „Uhrzeiger“ herum zu bedeuten? Was sollen sie berechnen? Wir wurden nicht schlau daraus.
Zuhause habe ich dann herausgefunden, dass die Orginal-Uhr 1983 gestohlen aber wiederbeschafft werden konnte. Jetzt steht lediglich einen Nachbildung auf dem Sockel. Die Konstruktion hat durch die Skalen eine Genauigkeit von einer halben Minute und gilt damit als die genauste Sonnenuhr Europas!
Das Mausoleum der Welfen

Am, vom Eingang aus gesehenen anderen Ende des Berggartens, am Ende einer langen Lindenallee, liegt das Welfenmausoleum. Dort liegen mehrere Mitglieder der Familie in der Gruft.
Links neben der mächtigen, mit Kupfernem Beschlag dekorierten Doppeltür, weist eine Platte auf den, im Exil verstorbenen, letzten König von Hannover hin: Georg V. von Hannover.
Er wurde von den Preußen besiegt und musste 1866 ins Exil nach Paris fliehen. Er wurde nach seinem Tod in der St George’s Chapel in Windsor Castle beigesetzt.


Fazit
Uns hat der Besuch des Berggartens sehr gefallen. Er bietet von Kakteen und tropischen Pflanzen über Blumen, Stauden, Gräsern bis zu Büschen, Bäumen und Teichen eine abwechslungsreiche Mischung an Pflanzen aus aller Welt. Und es gibt überall gute Sitzgelegenheiten zum Pause machen. Stichwort: ME/CFS.
Ich bin sicher, der Garten ist auch einen mehrfachen Besuch wert. Schließlich ändert sich die Vegetation ja im Verlauf eines Jahres stark,
Besonders angenehm fand ich die moderaten 5 € Eintritt für Erwachsene (Jahreskarte 35 €). Kinder unter 18 Jahre haben übrigens freien Eintritt.
Nach Eröffnung des neuen Ausstellungshauses mit Pflanzen der Kanarischen Inseln kommen wir bestimmt einmal wieder!
Bildergalerie





