Schlagwort: Deutschland

  • Der Berggarten in Hannover

    Der Berggarten in Hannover

    Was macht man, wenn man Familie in Hannover besucht? Hannover hat ja nun nicht die besten Sehenswürdigkeiten. Ja, vielleicht den Maschsee, das Rathaus, den Zoo oder die Herrenhäuser Gärten. Aber sonst?

    Einen Park oder Garten zu besuchen ist an sich ja immer eine gute Idee für einen ruhigen Ausflug. Erst recht bei gutem Wetter wie an dem Tag unseres Besuches. Die Herrenhäuser Gärten sind aber nicht so spannend, außer man mag geometrisch angelegte Barockgärten wie den Großen Garten.

    Einmal über die Straße vom Großen Garten, liegt der sogenannte Berggarten. Einen Berg gibt es hier nicht (mehr). Der Name kommt von einer eiszeitlichen Sanddüne, die hier bei der Errichtung noch bestand.

    Herzog Johann Friedrich ließ den Garten im Jahr 1666 als Küchengarten für den Gemüseanbau anlegen. Schon ab 1686 wandelte sich die Nutzung. Man züchtete Tabak und Maulbeerbäume, versuchte die Anzucht allerlei exotischer Gewächse und sogar die Haltung von Seidenraupen zur Herstellung von Seide.

    Kakteen-Haus, Tropenhaus und Orchideenhaus

    Wir sind als erstes in die, Schauhäuser genannten, drei Gewächshäuser nach dem Eingang gegangen. Auf das trocken-warme Kakteen-Schauhaus mit Kakteen, Aloen und Agaven folgte das schwülwarme Tropenhaus mit Palmen, Schlingpflanzen und einem Teich und dann das wieder feucht-warme Orchideenhaus. Es ist schon faszinierend zu sehen, was für Pflanzen die Natur so in allen Klimazonen hervorgebracht hat.

    Angenehmerweise waren die Pflanzen ohne die einheimische Fauna, also Moskitos und Co., zu bestaunen.

    Im Schmuckhof

    Im sogenannten Schmuckhof, zwischen den Gewächshäusern und der alten Bibliothek, sind viele verschiedene Pflanzen unter freiem Himmel zu betrachten.

    Um ein Karree in der Mitte waren außen zwischen zahlreichen Sorten von Zitronen auch viele verschiedene Arten an Geranien in Töpfen gepflanzt. Das Besondere daran: In den Pflanzen steckt jeweils ein Stab. Am oberen Ende ist auf einer Plakette der Lateinische Name bzw. der Deutsche zu angebracht. Das Schild mit der Bezeichnung kann aber zur Seite gedreht werden.

    Ein weiteres Schild fordert dazu auf, doch mal an den Blättern zu reiben und dann zu riechen. Unter dem Schild verbirgt sich dann das zu riechende Aroma.

    Das Reiben und Riechen an den verschiedenen Geranien brachte viele verschiedene Aromen hervor: verschiedene Zitrusnoten von leicht bis schwer, Rosenduft, Cola-Aroma, Zimt, Herbes Parfum und so weiter.

    Wie liest man eine Sonnenuhr?

    Sonnenuhr im Schmuckhof
    Sonnenuhr im Schmuckhof

    In der Mitte des Schmuckhofes, in einem quadratischen, leicht tiefergelegten Teil, umgeben von Sukkulenten, steht eine Sonnenuhr auf einem Sockel aus Stein. Jetzt war uns das Prinzip einer Sonnenuhr grundsätzlich nicht unbekannt. Dachten wir.

    Zum Zeitpunkt unseres Besuches war es genau 13 Uhr. Die Sonnenuhr zeigte aber genau XII Uhr an. Okay. Laut Inschrift ist die Uhr vom königlichen Mechanikermeister John Rowley 1719 in London hergestellt worden. Also muss man vielleicht um eine Stunde zurückrechnen auf GMT. Kommt ja hin.

    Aber was haben die Tabellen um den „Uhrzeiger“ herum zu bedeuten? Was sollen sie berechnen? Wir wurden nicht schlau daraus.

    Zuhause habe ich dann herausgefunden, dass die Orginal-Uhr 1983 gestohlen aber wiederbeschafft werden konnte. Jetzt steht lediglich einen Nachbildung auf dem Sockel. Die Konstruktion hat durch die Skalen eine Genauigkeit von einer halben Minute und gilt damit als die genauste Sonnenuhr Europas!

    Das Mausoleum der Welfen

    Mausoleum im Berggarten
    Mausoleum im Berggarten

    Am, vom Eingang aus gesehenen anderen Ende des Berggartens, am Ende einer langen Lindenallee, liegt das Welfenmausoleum. Dort liegen mehrere Mitglieder der Familie in der Gruft.

    Links neben der mächtigen, mit Kupfernem Beschlag dekorierten Doppeltür, weist eine Platte auf den, im Exil verstorbenen, letzten König von Hannover hin: Georg V. von Hannover.

    Er wurde von den Preußen besiegt und musste 1866 ins Exil nach Paris fliehen. Er wurde nach seinem Tod in der St George’s Chapel in Windsor Castle beigesetzt.

    Fazit

    Uns hat der Besuch des Berggartens sehr gefallen. Er bietet von Kakteen und tropischen Pflanzen über Blumen, Stauden, Gräsern bis zu Büschen, Bäumen und Teichen eine abwechslungsreiche Mischung an Pflanzen aus aller Welt. Und es gibt überall gute Sitzgelegenheiten zum Pause machen. Stichwort: ME/CFS.

    Ich bin sicher, der Garten ist auch einen mehrfachen Besuch wert. Schließlich ändert sich die Vegetation ja im Verlauf eines Jahres stark,

    Besonders angenehm fand ich die moderaten 5 € Eintritt für Erwachsene (Jahreskarte 35 €). Kinder unter 18 Jahre haben übrigens freien Eintritt.

    Nach Eröffnung des neuen Ausstellungshauses mit Pflanzen der Kanarischen Inseln kommen wir bestimmt einmal wieder!

    Bildergalerie

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 19 + 20

    18. + 19.09.2020 Deutschlandtour Tag 19 + 20; Landshut -> Berlin

    Donnerstag 18.09.2020, Landshut -> Berlin

    Diesmal habe ich zwei Tage zusammengefasst beziehungsweise einen Tag ausgelassen. Denn der 19. Tag unseres gemeinsamen Urlaubes war nicht erwähnenswert. Wir fuhren morgens in Landshut los und kamen gegen 16:00 auf dem Campingplatz in Blankenfehlde-Mahlow, südlich am Berliner Stadtrand, an. Dort trennten sich unsere Wege für den Rest des Tages. Ich besuchte Freunde und Swantje und J. besuchten Familie in Berlin.

    Blick durch den Zaun vom Campingplatz Mahlow

    Freitag 19.09.2020; Fernsehturm Berlin, Reichstag, Roller fahren, Transit

    Schon gestern auf der Fahrt nach Berlin sprachen wir über mögliche Aktivitäten in Berlin und da kam die Frage auf, wer von uns denn schonmal auf dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz war. Und es war bisher niemand von uns oben gewesen also schauten wir mal nach ob und wann man denn hinauf könnte. Nebenbei sagte ich, es müsste doch toll sein dort oben mal zu essen. Bei der fantastischen Aussicht!

    Und wie Swantje schnell herausfand gab es ein tolles Angebot für uns welches auch noch verfügbar war: Ein Frühstück im Drehrestaurant in 207 m Höhe! Der Preis betrug 33 € für das Frühstück mit 1,5 Stunden Sitzdauer im Restaurant, welches sich in einer Stunde einer halben oder einer ganzen Stunde einmal um den Turm dreht (Also gefühlt sind wir in 1,5 Stunden 3mal rumgefahren.. Hm..). Bei einem Preis von 22€ nur für die Aussichtsplattform in 203 m ein sehr gutes Angebot. Wir buchten also schon am Donnerstag online und standen am Freitagmorgen um 9:30 vor dem Einlass des Turmes. Vorher mussten wir noch unsere Rucksäcke im U/S-Bahnhof Alexanderplatz einschließen, die darf man leider nicht mit hochnehmen.

    Berliner Fernsehturm von unten

    Das Wetter war uns gewogen, denn es war wolkenfreier Himmel und es versprach wirklich wieder eine gute Fernsicht zu werden. Wir waren die ersten in der Schlange und sogar so früh dass noch nichtmal die Schilder und Personenleitpfähle aufgestellt waren. Und so kamen wir nach einigem Warten als erstes in den Turm und in den Fahrstuhl. Dieser brachte uns in von 6,25 m auf 203 m hinauf in 40 Sekunden, und das mit einer kaum merkbaren, sanften Beschleunigung und Abbremsung. Nach oben kann man übrigens durch das Dach der Kabine in den Aufzugsschacht schauen.

    Blick nach ob in den Fahrstuhlschacht im Fernsehturm

    Oben kamen wir eine Etage unter dem Restaurant an, nämlich auf der normalen Aussichtsetage wo es auch eine Bar gibt. Dort mussten wir nochmal unser e-Ticket vorzeigen und konnten dann die Treppe hinauf in das Restaurant gehen. Wir bekamen den Tisch mit der Nummer 35 zugewiesen und gingen noch etwas um die Turmmitte herum bis zum Tisch (der drehte sich ja auch noch langsam von uns weg 😅). Überraschenderweise war das Restaurant fast leer und füllte sich auch über die Zeit nicht. Anscheinend ist das Frühstück an einem Wochentag nicht bekannt oder nicht so beliebt.

    Drehrestaurant im Charme der 70er

    Als wir dann saßen waren wir einfach baff: Die Aussicht über Berlin und die Umgebung war einfach UN FASS BAR gut! Es war wirklich das perfekte Wetter mit der besten Fernsicht die man sich vorstellen kann.

    Wir konnten sogar in der Ferne im Süden die Halle von „Tropical Island“ und den Höhenzug der Lausitz (?) sehen. Laut Wikipedia ist die Halle 60 km von Berlin entfernt so weit konnten wir also mindestens sehen. Ich denke es war noch wesentlich mehr, das Land ist aber einfach zu flach als dass etwas auffallen würde außer ein paar Kohlekraftwerke mit ihren Kühltürmen und Dampfwolken.

    So genossen wir also die fantastische Aussicht bei einem sehr guten Frühstück mit sehr gutem Service!

    Turm-Frühstück

    Fasziniert aßen und tranken wir, suchten bekannte Gebäude und Landmarken und rätselten was wir wohl in der Ferne sahen. Nach knapp 1,5 Stunden hatten wir uns dann doch etwas satt gesehen und fuhren mit dem Aufzug wieder hinunter. Wir holten unsere Rucksäcke aus dem Schließfach und fuhren bis zum Bahnhof Friedrichstraße um anschließend am Reichstag vorbei zu schlendern und in Richtung Schloss Bellevue zu gehen. Der Bundespräsident war leider nicht anwesend aber dafür wurde gerade der Rasen von einem riesigen Rasenmähroboter geschnitten.

    Schloss Bellevue, keiner zuhause
    Rasenmähroboter bei der Arbeit

    An der Siegessäule meldeten wir uns zum Testen spontan bei einer App an und rollten mit den elektrischen Scootern bis zum Bahnhof Zoo. Nach Getränk für alle und einer Portion Süßkartoffelpommes für mich im „Pho“ trennten sich unsere Wege wieder.

    Süßkartoffelpommes mit scharfem Dip
    Pratergarten

    Ich traf mich mit H. und L. zuhause um anschließend im „Pratergarten“ ein Bier zu trinken und im „Transit“ sehr gute, asiatische Häppchen zu essen. Beschlossen wurde der Abend mit einem Bier im „Mikkeler“ um die Ecke. Danach hieß es Abschied nehmen, von den Freunden und von Berlin, denn am nächsten Morgen wollten wir sehr früh (5 Uhr) in die Heimat aufbrechen.

    Essen im „Transit“ nahe Rosenthaler Platz
    Mikkeler Torstraße
  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 18

    Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 18

    16.09.2020 Deutschandtour Tag 18, Hopfensee -> Landshut

    (mehr …)

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 17

    15.09.2020 Tag 17; Füssen und eine Bootsfahrt auf dem Forggensee

    Eigentlich war heute ja ein freier Tag. Also eigentlich wollten wir ja nicht so viel unternehmen, jedenfalls nicht geplant. Aber wie das mit dem Wort „eigentlich“ so ist haben wir doch etwas unternommen. Als erstes schliefen wir etwas länger als sonst und frühstückten, wie immer, gemeinsam.

    J. wollte eine Fahrradtour um Weißensee machen und ich Füssen erkunden und eine Rundfahrt auf dem Forggensee. Swantje schloss sich mir an und so fuhren wir mit den Rädern nach Füssen.

    Schlange für die Bordkarten

    Dort stellten wir uns als erstes für die Bordkarten der Ausflugsschiffe an. Bordkarten? Ja, wegen Corona muss man sich an einem Häuschen eine Karte für eine Fahrt besorgen, wenn die noch freie Plätze hat, und seine Kontaktdaten dort eintragen. Nur mit dieser Karte kann man dann an Bord die richtige Fahrkarte kaufen. Nachdem wir das erledigt hatten blieb uns noch etwas Zeit bis zur Abfahrt, da die anderen Fahrten schon ausgebucht waren.

    Heilig-Geist-Spital-Kirche

    Wir bummelten also etwas durch die schöne Innenstadt und ließen uns auf ein Getränk am alten Feuerwehrhaus nieder. Meine Versuche irgendwo ein schönes Bierglas mit einer besonderen Form oder einem Aufdruck von einer örtlichen Brauerei zu bekommen scheiterten leider. Denn in den Touriläden gab es nur kitschiges mit Bayern oder König Ludwig darauf. Und die Restaurants verkaufen ihre leider nicht. Bleibt nur noch Diebstahl übrig..

    Altes Feuerwehrhaus

    Unsere Fahrt startete um 13:20 zur kleinen Rundfahrt auf dem Forggensee. Diese geht nur eine Stunde (9€ pro Erwachsenem). Die große Rundfahrt geht zwei Stunden.

    Ausflugsschiff auf dem Forggensee

    Ganz gemächlich fuhren wir also eine Runde gegen den Uhrzeigersinn und hatten dabei genug Zeit die Aussicht zu genießen. Die flache Landschaft mit den Bergen im Hintergrund. Einfach ein Traum!

    Aussicht vom Schiff aus

    Für das leibliche Wohl gönnten wir uns ein Radler bzw. eine Spezi. Und das Dach über uns schützte uns davor von der Sonne verbrannt zu werden (Pech für die Menschen die ganz hinten auf dem Schiff saßen..). Unterwegs gab es auch ein paar Informationen über den Forggensee selbst. Dieser ist ein Stausee, mit dem das Wasser des Lech im Frühjahr und Sommer aufgefangen und im Herbst wieder abgelassen wird. Das bedeutet dass im Herbst der See leer läuft. Erst zur Schneeschmelze füllt er sich wieder um Hochwasser unterhalb des Sees zu vermeiden und zu regulieren.

    Blick auf Forggensee und Alpen

    Nach dem Ende der Fahrt fuhren wir mit den Rädern noch etwas am See entlang und dann über einen, teils sehr steilen und geschotterten, Wanderweg zurück nach Hopfen am See. Unterwegs fuhren wir aber auch durch die pure Allgäuer Idylle mit Bergen, Landwirtschaft und Kühen.

    Allgäuer Idylle

    Lokale Einwohner

    In Hopfen tragen wir mit J. zusammen und aßen Kaiserschmarrn bzw Eis bevor wir uns zur Abkühlung ausgiebig in die Fluten des Sees stürzten.

    Variation vom Kaiserschmarrn (leider wenig Rosinen und keine Mandeln)

    Abendstimmung am Hopfensee, Foto: Swantje Petersen

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 16

    14.09.2020 Tag 16, Besuch auf der Zugspitze

    Heute waren wir auf der Zugspitze. Und es war absolut die richtige Entscheidung heute dort hin zu fahren!

    Die Wettervorhersagen verhieß genauso gutes Wetter wie gestern aber tendenziell noch etwas klarer. Und das wollten wir nutzen. Also stellten wir zum ersten Mal im Urlaub die Wecker um gleich morgens mit der ersten Seilbahn nach oben zu fahren. Mein Wecker ging um 6:30 🙈

    Talstation Zugspitzbahn

    Um halb 8 fuhren wir dann über Österreich bis an den Eibsee zur Talstation der neuen Zugspitzbahn. Und obwohl wir um 8:20 dort ankamen waren wir nicht die ersten auf dem Parkplatz (Parken 6€ für 4 Stunden). Ich aß noch schnell mein Butterbrot bevor wir zur Talstation gingen und die Karten kauften (59€ pro Erwachsenen). Die Gondel direkt vor uns war schon voll und so mussten wir auf die nächste warten, was aber gut war denn so standen wir ganz vorne in der Schlange und hatten freie Platzwahl.

    Nachdem die Gondel abgefahren war bewegte sich die gesamte Plattform wo man ein- und aussteigt von der einen Seite auf die andere, so dass auf unserer Seite ein Spalt entstand wo die Gondel vom Berg einfahren konnte. Faszinierend!

    Bewegliche Plattform zum Ein- und Aussteigen

    Abfahrende Kabine

    Wir bestiegen die Kabine und stellten uns direkt vorn an die Scheibe mit Blick auf den Berg. Schon beeindruckend wenn man den 127 m hohen, einzigen, Stützpfeiler sieht und die Kabine am Berg schnell immer kleiner und kleiner wird..

    Pfeiler in Sicht

    Die neue Seilbahn wurde 2017 in Betrieb genommen und überwindet 1945 Höhenmeter von der Talstation bis zum Gipfel in knapp 15 Minuten. Außerdem überbrückt sie das weltweit längste freie Spannfeld, also den Bereich zwischen Mast und Bergstation, mit 3.213 Metern Länge. Die Türen schlossen sich und die Fahrt ging los. Auch hier war die Kabine beunruhigend voll..

    Erst ganz langsam setzte sich die Kabine in Bewegung, dann immer schneller. Schnell gewonnen wir an Höhe und die Aussicht wurde immer besser. Obwohl ich eigentlich Höhenfest bin wurde mir, und auch anderen Fahrgäst*innen etwas komisch als wir den Pfeiler passierten und die Kabine kurz einen kleinen Hopser machte und leicht hin und her schwang. 😳

    Schnell hatten wir die Bergstation erreicht und schauten uns oben alles an. Dort hatten wirklich den erwarteten sensationellen Ausblick nach allen Seiten. Die Fernsicht war einfach super, wir konnten sogar bis zu den Gipfeln der Schweizer Alpen sehen, etwa 140 km Luftlinie entfernt. Wahnsinn!

    Bergstation der neuen Seilbahn

    Selfie auf der Zugspitze

    Wir gingen rundherum, machten nach allen Seiten Fotos, telefonierten nachhause (freies WLAN gibt es nämlich da oben) und warfen Postkarten in Deutschlands höchstem Briefkasten ein. Zur Stärkung tranken und aßen wir eine Kleinigkeit auf der österreichischen Seite im Restaurant.

    Für die Abfahrt vom Berg wählten wir die alternative Route mit der kleinen Seilbahn auf den Gletscher der Zugspitze und von dort mit der Zahnradbahn bis zur Talstation zurück. Diese Idee war aber nur halb so gut wie gedacht.

    Gletscher

    Der Gletscher gab zwar noch andere Ansichten von der Bergstation oder den Felsen rundherum, die Schneereste waren aber mickrig. Und die Fahrt mit der Zahnradbahn bot nur eine neue Ansicht da die Bahn die Hälfte der Strecke im Tunnel fährt und die andere Hälfte durch Wald und man also nichts sieht.

    Bergstation Gletscher Zugspitze der Zahnradbahn

    Abfahrt mit der Zahnradbahn

    Blick auf den Eibsee

    Wieder an der Talstation fuhren wir zurück nach Füssen, kauften ein und verbrachten den Nachmittag auf dem Campingplatz mit Baden, Schlafen, Abendessen und Reisebericht schreiben. 😉

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 15

    13.09.2020 Deutschlandtour Tag 15; Badhütten (Tettnang) -> Hopfensee, Füssen und Tegelberg

    Heute war wieder ein halber Reisetag. Knapp zwei Stunden Fahrzeit zeigt unser Navi bis zum Hopfensee, bei Füssen, an. Vom Campingplatz Badhütten ging es über erst merkwürdige Wege über Land aber dann wurde es doch langsam immer bergiger und irgendwann kamen auch die ersten Gipfel in Sicht. Dann passierten wir die Grenze zu Bayern. Da wir vorher kein Visum beantragt hatten, waren wir etwas unsicher ob wir einreisen dürften, wir wurden aber nicht erwischt (🤪).

    Allgäuer Landschaft

    Die Landschaft wurde immer mehr wie das Klischee von Bayern: Gipfel in der diesigen Ferne, hübsche Bauernhöfe und Häuser mit Schindeln gedeckt und hölzernen Balkonen und Kühe mit Glocken.

    Dann kam bald der Hopfensee in Sicht und wir waren echt beeindruckt: Wunderschön in den Hügel und vor den Alpen gelegen! Und genauso schön gelegen ist der Campingplatz Hopfensee der direkt am See liegt. Von unserem Stellplatz sind es auch nur 50m bis zum Wasser.

    Flyer Campingplatz Hopfensee

    Nach den üblichen Aufbautätigkeiten tranken wir zu dritt zwei Biere zur Stärkung und warfen uns gleich in die, frischen, Fluten des Sees. Das Wasser war kühl und angenehm aber etwas grün-braun durch Schwebeteilchen. Der Seeboden und der Strand bestehen aus kleinen Kieselsteinen. Merkwürdig waren nur die Unterwasserpflanzen mit Dornen, die uns in die Beine piekten. Vermutlich ist es das Große Nixenkraut. Es piekst wie Brombeeren am Bein. 😳

    Dank moderner Technik, wasserdichtes Smartphone, konnte ich sogar im See und unter Wasser fotografieren.

    Nixenkraut

    Badestelle Hopfensee

    Selfie im Hopfensee

    Getrocknet und umgezogen sattelten wir die Räder und fuhren nach Füssen und dort an die Talstation der Tegelbergbahn. Wir lösten drei Fahrkarten (23€ pro Person) und fuhren mit der Seilbahn nach oben. Wegen Corona durfte die Kabine nur mit 75% der Kapazität genutzt werden. Das bedeutete hier 30 Personen. Was für uns viel, viel zu eng war. Enger wurde es auch weil diverse Gleitschirmflieger mit ihren riesigen Rucksäcken ebenfalls auf den Gipfel wollten. Aber die Fahrt dauerte ja nur 6 Minuten (ich habe einfach möglichst flach geatmet).

    Seilbahn zum Tegelberg

    Schon während der Bergfahrt lauschten wir dem Bericht eines Gleitschirmfliegers der von einem Rettungseinsatz von Personen aus einem Klettersteig berichtete. Den Hubschrauber konnten wir auch bald sehen und oben von der Bergstation die Manöver beobachten. Mehrmals flog er einen schmalen Grat an und ließ auch mehrere Personen auf und ab.

    Hubschraubereinsatz

    Selfie auf dem Tegelberg

    Aussicht vom Tegelberg

    Wir genossen von den die herrliche Aussicht, die Weitsicht war auch ganz gut und machten eifrig Fotos von uns und der Umgebung. Fasziniert beobachteten wir auch die Gleitschirm- und Drachenflieger die sich oben bereit machten. Anfangs war der Wind wohl noch zu schwach oder von der Richtung ungünstig aber dann ging es los und einer nach dem anderen hob ab. Faszinierend!

    Abflugplatz

    Drachenflieger warten auf den Start

    Nach einiger Zeit nahmen wir dann wieder die Bahn nach unten und fuhren mit den Rädern zu einem Gasthof um unseren Durst zu stillen. Das gab uns neue Kraft um durch Füssen zurück zum Hopfensee zu fahren und uns eine nettes Restaurant zum Abendessen zu suchen. Im Hotel „Fischer am See“ fanden wir gerade noch einen Platz. Der Rest des Ortes war schon voll. Das Essen war gut aber leider waren die zwei armen älteren Damen mit dem Service für drinnen uns draußen etwas überfordert. Naja.

    Und als wir fast schon am Campingplatz waren konnten wir auch noch ein paar Alphörner hören die irgendwo in der Nähe ein kleines Konzert gaben. Mehr Klischee geht wirklich nicht! J. ging nochmal baden und erschöpft gingen wir früh zu Bett um morgen früh aufzustehen. Die Zugspitze wartet! 🙂

    Gute Nacht!

    Abendstimmung am Hopfensee

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 14

    12.09.2020 Tag 14, Ruhetag in Badhütten

    Heute war zwar Samstag und für uns eine Art Ruhetag. Nichts wirklich spannendes ist passiert. J. ist morgens mit dem Auto zu einer Werkstatt gefahren um ein Abblendlicht vom Auto reparieren zu lassen. Außerdem hat er noch etwas eingekauft. Swantje war mit dem Rad zu einer Burgruine ganz in der Nähe gefahren und ich mit dem Rad zum Schloss Giessen auch ganz in der Nähe.

    Hopfenreihen nahe des Campingplatzes

    Apfelbaum in der Nähe der Burg

    Die Burg Giessen wurde 1405 erstmal erwähnt, heute ist sie in Privatbesitz, wird renoviert und einige Räume können teilweise für Veranstaltungen gemietet werden. Es besitzt einen Wassergraben, der heute aber leer ist. Es macht von außen aber schon was her, gerade weil es aus dem flachen Land so heraussticht. Besichtigungen sind aber nur nach Absprache möglich. Danach fuhr ich also über Apfelau wieder zum Campingplatz zurück.

    Burg Giessen

    Eingang Burg Giessen

    Gemeinsam nutzen wir dann das Schwimmbad um uns abzukühlen bevor J. und ich wieder mit dem Rad aufbrachen um in Kressbronn Einkäufe zu tätigen. Dabei konnten wir bei der Apfelernte mit dem, ferngesteuerten, Traktor zusehen.

    Auf dem Rückweg stutzten wir dann: Auf einem gemähten Feld standen lila Krokusse. Krokusse? Im Spätsommer? Nach der Recherche bei Google fanden wir heraus dass es wirklich Herbstkrokusse gibt. Ähnlich sind aber auch die Herbstzeitlosen.

    Herbstkrokusse

    Morgen ist dann wieder Reisetag in Richtung Füssen.

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Teil 13

    11.09.2020 Tag 13 – Radtour nach Lindau und zurück

    Was für ein tolles Wetter! Morgens war es zwar noch komplett bewölkt und diesig aber nach und nach klarte es immer weiter auf.

    Nach den üblichen Morgenritualen fuhren wir heute mit den Rädern nach Lindau. Zusätzlich habe ich heute mal meine Wäsche gemacht um für den Rest der Reise versorgt zu sein. Gespannt war ich ob es bis zum Abend alles trocken werden würde.

    Vom Campingplatz folgten wir erst kleinen Nebenstraßen, dann ein Stück auf der Hauptstraße um schließlich auf einem schönen Radweg mitten durch die Apfelfelder zu fahren. Auch hier hingen die Reihen teilweise echt voll mit Äpfeln, geschützt mit Netzen nach oben. Unsere Vermutung war dass es gegen Hagel oder gegen Vögel schützen soll  (Später fanden wir heraus tatsächlich gegen Hagelschlag).

    Äpfel mit Hagelnetz

    Rechts von uns begleitete uns die Argen, der Bach der auch ganz in der Nähe vom Campingplatz fließt. Es war wirklich sehr angenehm und einfach zu fahren denn der Weg verlief sehr flach und sogar eher mit etwas leichtem Gefälle in Richtung See. Nach einiger Zeit kamen wir an eine erste Sehenswürdigkeit: Die Kabelhängebrücke von Kressbronn. Diese Brücke ist die älteste ihrer Art in Deutschland und wurde schon 1898 eingeweiht. Ein Praktikant beim Bau der Brücke war später Planer der George-Washington-Brücke in New York und Berater der Golden-Gate-Brücke in San Francisco.

    Hängebrücke von Kressbronn

    Bald stießen wir auf den Bodenseeradweg und folgten diesem am Bodensee entlang. Leider nicht direkt am See aber er war immer mal wieder kurz zu sehen, aber trotzdem führte uns der Weg, mit vielen, vielen anderen Radfahrer*innen, durch kleine, hübsche und aufgeräumte Orte, unter anderem Wasserburg am Bodensee.

    Tafel an der Brücke Kressbronn

    Irgendwann überquerten wir dann die unsichtbare Grenze zu Bayern, was mir subjektiv am Auftauchen von Dirdln auffiel, um schließlich über den Damm auf die Insel von Lindau zu fahren. Dort schlossen wir unsere Räder ab, gar nicht so einfach ein freies Plätzchen zu finden bei so vielen Rädern und Abstellverboten, und schlenderten um den Hafen mit seinem Turm, dem bayerischen Löwen und dem Leuchtturm in seiner Einfahrt.

    Selfie in Lindau

    Dann trennten sich unsere Wege für eine Zeit, denn J. und Swantje trafen sich mit einem befreundeten Pärchen, welches zufällig auch hier Urlaub machte, und ich erkundete Lindaus Altstadt auf eigene Faust.

    Figur am Lindaviabrunnen

    Und die ist wirklich sehr schön. Es gibt eine Hauptfußgängerzone und viele kleine und verwinkelte Gassen mit kleinen Läden, Cafés und Wirtshäusern. Und für mich als Türenliebhaber gab es auch jede Menge (alte) Türen zu sehen und zu fotografieren.

    Sehr beeindruckend war dann als erstes das alte Rathaus von Lindau, das von vorne mit seiner mächtigen und aufwändig verzierten Außentreppe und den Fassadenmalereien beeindruckt. Und auch die Rückseite des Gebäudes ist prächtig gestaltet worden.

    Altes Rathaus Lindau

    Ich lief hier und dort entlang und bog auch immer wieder in die Nebenstraßen und Gassen ein. So stoße ich oft auf Dinge, die vielleicht nicht jeder Tourist zu sehen bekommt. Und so stieß ich durch Zufall, vor dem alten Zeughaus, auf den Narrenbrunnen, an dem fünf, teils verkleidete Narren dargestellt sind.

    Narrenbrunnen

    Links vom Brunnen führte eine steinerne Treppe steil nach oben. Als ich hinauf stieg war ich auf einem Teil der alten Stadtmauer gelandet, die bis zum Diebsturm führte. Der Diebsturm steht auf Lindaus höchstem Punkt und wurde 1380 als Aussichtsturm und Gefängnis errichtet. Heute ist er ein schönes Fotomotiv mit seinem Dach mit den vier kleinen Ecktürmchen.

    Auf der Stadtmauer Lindau

    Diebsturm

    Direkt neben dem Diebsturm steht Lindaus älteste Kapelle: Die Peterskirche. Der Grundstein für diese Kirche wurde schon im Jahr 1.000 nach Christus gelegt; heute ist darin eine Gedenkstätte für die Gefallenen des 1. und 2. Weltkriegs. Sehenswert sind die Wandmalereien in ihr, die dem bekannten Renaissancemaler Hans Holbein dem Älteren zugeschrieben werden, die die Passion Christi darstellen. Natürlich sind die nach den vielen Jahrhunderten ziemlich verblasst.

    Wandmalereien in der Peterskirche

    Langsam bekam ich einen kleinen Hunger und Durst und fand endlich einen Platz im Biergarten „Hotel Gasthof Stift“ im Osten der Lindauer Insel. Hier stillte ein köstliches Lindauer Oktoberfestbier meinen Durst und eine Leberspätzlesuppe ließ den ärgsten Hunger vergehen.

    Leberspätzlesuppe

    Lindauer Oktoberfestbier

    Danach traf ich mich mit J. und Swantje und gemeinsam verließen wir die Insel wieder. Zurück zum Campingplatz fuhren wir aber nicht denselben Weg wie auf dem Hinweg, sondern Jost wollte einen Bauernhof suchen wo er vor Jahren schon einmal Most getrunken hatte. Wir folgten also seiner „Frau in der Hosentasche“ (Google Maps Navi) und fuhren aus Lindau hinaus. Langsam wurde die Umgebung immer hügeliger und ländlicher, wenn auch wunderschön. Grüne sanfte Hügel, Apfelplantagen, Landwirtschaft und ab und zu einzelne Häuser oder Weiler in fantastischer Lage. Hier möchte man doch gerne wohnen oder zumindest eine Ferienwohnung mieten.

    Irgendwo im Nirgendwo

    Der gesuchte Ort ließ auf sich warten und Swantje und ich hatten schon das Gefühl bald die ersten schneebedeckten Gipfel der Alpen in Reichweite zu haben, denn es ging immer weiter bergauf. Zum Glück ging es aber auch wieder bergab und mit über 50 km/h rauschten wir unserem Ziel entgegen.

    Haus in Unterlangnau

    Dieses lag im Ortsteil Unterlangnau von Tettnang, wo wir dann endlich ankamen. Den Bauernhof von damals gab es auch immer noch, leider wird hier kein Most mehr ausgeschenkt, dafür kann man diverse Sorten Kürbisse, Schnäpse und Liköre aus eigener Herstellung kaufen.

    Hofladen

    Und was für komische Sorten von Kürbis es dort gab! Einige sahen eher aus wie Alieneier oder Tierköpfe aus der Tiefsee. Sehr skurril.

    Nur kurz danach fuhren wir über die zweite Hängeseilbrücke an diesem Tag. Knapp hinter Unterlangnau führt diese nämlich auch über die Argen. Allerdings im Gegenteil zur Brücke von Kressbronn nur in der Breite von knapp zwei Fahrrädern. Man muss sich schon schiebend begegnen. Dafür hat man auch einen guten Ausblick auf den Bach.

    Argen

    Nach der Brücke waren wir dann schon wieder am Campingplatz, wir waren also nur eine ganz andere, und sogar kürzere, Strecke gefahren.

    Leider hatte der Wind meine Pläne die Wäsche auf dem Sonnensegel zu trocken etwas durchkreuzt. Aber immerhin war sie trotzdem fast trocken.

    Danke Wind..

    Nach einem kühlenden Bad im Schwimmbecken beendeten wir den Tag indem wir den Grill anmachten und später satt und zufrieden zu Bett gingen.

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Teil 12

    Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Teil 12

    10.09.2020 Tag 12, Riegel am Kaiserstuhl -> Tettnang am Bodensee

    Der heutige Tag war eigentlich nur ein Reisetag. Wir fuhren nach dem Frühstück los in Richtung Schwarzwald und erreichten diesen auch bald. Steil schlängelte sich die Straßen durch eine, beinahe schluchtartige, Engstelle um sich dann in vielen Serpentinen und Kurven nach oben zu schrauben.

    Aufstieg in den Schwarzwald

    Irgendwann erreichten wir das „Plateau“ des Schwarzwaldes um dann in irgendwann wieder hinunter zu fahren und dem Bodensee immer näher zu kommen. Bald kam er auch in Sicht und wir folgten seinem Ufer um am „Gutshof Camping Badhütten“ in Laimnau, Ortsteil von Tettnang anzukommen.

    Gasthaus am Campingplatz Badhütten

    Schwimmbad auf dem Campingplatz

    Leider hatte der Platz noch Mittagsruhe aber nach 15 Minuten warten bekamen wir unseren Platz zugeteilt und bauten schnell auf. Der Campingplatz ist idyllisch gelegen in einer wunderschönen Gegend mit vielen Apfel- und Hopfenplantagen und hat sogar ein eigenes schickes Schwimmbad. Teilweise Äpfel soweit das Auge reicht und die einzelnen Bäume dicht behangen.

    Apfelplantage, dick behangen

    Geernteter Hopfen

    Nach etwas Ausruhen fuhren wir einkaufen in den Ort Kressbron. Einige von uns badeten und nach dem Baden fuhren wir zum Abendessen nach Laimnau in den Gasthof „Zum Landwirt“.

    Gastwirtschaft „Zum Landwirt“

    Dort saßen wir unter Wein draußen und genossen rustikale Landküche. J. und Swantje eine riesige Fleischpfanne für zwei Personen, ich einen klassischen Zwiebelrostbraten. Dazu gab es zwei Sorten Apfelmost und Hefeweizen. Als Abschluss gab es einen Schnaps bevor wir dann mit einem kleinen Umweg zurück zum Campingplatz fuhren und den Abend dort ausklingen ließen.

    Fleischpfanne für zwei Personen

    Zwiebelrostbraten

    Rosé Most, Hefeweizen, Heller Most

    Abendstimmung auf dem Campingplatz

  • Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 11

    Deutschland gegen den Uhrzeigersinn – Tag 11

    09.09.2020 Tag 11, Stuttgart -> Riegel am Kaiserstuhl -> Kaiserstuhl

    Der heutige Bericht ist eine Gemeinschaftsarbeit von Swantje (s) und mir (h)

    (h)

    Heute sind wir von Stuttgart wieder weitergezogen in Richtung Kaiserstuhl.

    Unser Navigationssystem (Google Maps) wies uns denselben Weg in Richtung Leonberg wie gestern, nur dass wir abfahren sollten aufgrund von Stau/stockendem Verkehr. So fuhren wir von der Autobahn ab und tingelten durch die schwäbische Landschaft. Es ging über Hügel, Täler und durch kleine enge Orte. Spannenden Orte die wir sonst sicher nie gesehen hätten wie Wurmberg oder Niefern-Öschelbronn. Dafür war die Aussicht aber zwischendurch echt schön und es herrschte ländliche Idylle.

    Irgendwo in BaWü

    (s)

    Auf dem Campingplatz angekommen, nahmen wir einen kleinen Mittagssnack zu uns und sattelten dann unsere Räder um Richtung Kaiserstuhl zu fahren. Der Kaiserstuhl ist ein 556,8 m hoher, verwitterter Vulkankegel. Unsere Radtour ging zunächst über tolle Fahrradwege, hauptsächlich zwischen Maisfeldern entlang. Wir fuhren durch ein paar schöne Ortschaften. Besonders Endingen am Kaiserstuhl hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

    Altes Stadttor Endingen

    Ein Örtchen mit vielen Fachwerkhäusern und kleinen „Lädele“, welches seinen Charme versprühte. Leider hatten die meisten Geschäfte und Gasthöfe am Mittwoch Ruhetag.

    Wir passierten das schöne alte Stadttor und fuhren entlang einer Landstraße weiter. Dort kamen wir an sehr vielen Obstfeldern und Weinbergen vorbei. Prompt hielt ich an und naschte an einer Traube. Ich verzog mein Gesicht und urteilte, dass diese gut noch etwas Sonne vertragen könnte. Henning und ich genehmigten uns auch noch jeweils einen sehr leckeren süßen Apfel. Die Äpfel waren von der Sonne so warm, dass Henning spontan die Assoziation eines „Bratapfels“ hatte. 🤪

    Apfelplantage

    Weiter ging der Weg an der Landstraße, eingerahmt von Weinbergen doch leider wurden wir auf der Bundesstraße, ohne Radweg, von vollbeladenen Treckern überholt, die mit der Weinlese beschäftigt waren. Etwa vier Kilometer vor unserem Ziel ging es dann bergauf. Und das ziemlich steil. Bei einer Steigung von bis zu 12% sangen wir eine Lobeshymne auf die E-Bikes. Wobei dieser Berg selbst mit den E-Bikes herausfordernd war. Mit zwei kleinen Unterbrechungen erreichten wir das Ziel und wurden mit einem herrlichen Ausblick über die Weinberge belohnt.

    12° Gefälle

    (h)

    Knapp 250 Höhenmeter hatten wir nun geschafft und uns die gute Aussicht mehr als verdient. Auch hier kosteten wir ein paar helle Trauben und stellten fest: Die sind sehr süß und vermutlich sehr bald erntereif.

    Reife Trauben

    Nachdem wir ein paar Schlucke Wasser aus einer kleinen Flasche geteilt und auch Fritz noch die Weinberge inspiziert hatte rollten wir den Berg wieder hinunter.

    Aussicht vom Kaiserstuhl

    Fritz im Weinberg

    Mir war ein bisschen mulmig zu Mute, sind meine Scheibenbremsen doch schon länger nicht mehr die besten. Und die Vorstellung mit 100 km/h den Berg hinunter zu rollen und dabei zu stürzen oder den Vordermann bei einem Bremsmanöver zu touchieren oder zu rammen war nicht verlockend.

    Vor der ersten scharfen Kurve ging es noch aber auf der langen Geraden kamen wir richtig in Fahrt! Swantjes Tacho zeigte kurzzeitig 51 km/h an und meiner 49,6 km/h und das ist die höchste Geschwindigkeit die ich je mit einem Fahrrad gefahren bin.

    Abfahrt!

    Wir rollten zurück durch Kiechlinsbergen und Königschaffhausen und hielten nochmal in den Obstfeldern an, weil Swantje noch eine Zwetschge probieren wollte. Wir hielten auf der rechten Fahrbahnseite an und Swantje lief über die Straße um 3 Zwetschgen zu holen. Sie musste dabei etwas von der Straße hinunter da das Feld etwas tiefer lag.

    Als sie auf dem Rückweg war, J. und ich waren mit Gucken in die andere Richtung abgelenkt, schrie sie auf einmal: „Oh mein Gott! Hier ist die größte Spinne die ich je gesehen habe!“

    Im ersten Moment reagierten wir gar nicht, beziehungsweise wir dachten wohl „Jaja. Die nun wieder. Große Spinne haha…“

    Aber auch nach unserem Umdrehen und aufmunternden Worten blieb sie wie versteinert am Straßenrand stehen. Ich wunderte mich und ging zu ihr hin um die Spinne zu begutachten. Und was soll ich sagen: Auch mich schauderte es. Die Spinne, die auf dem unteren Ende von Swantjes kurzer Hose saß, war mit Beinen etwas kleiner als ein runder Bierdeckel und der Körper etwa brombeergroß. Der Hinterleib war gelb/grün/schwarz gestreift, die Beine auch mit schwarzen Streifen und optisch spitz wie ein Stachel vom Stachelschwein.

    Spinne auf dem Hosenbein

    Insgesamt also eine Erscheinung die auch mich abschreckte. Ich machte, natürlich, erst ein Foto für die Nachwelt und lief dann wieder über die Straße um etwas zu suchen um sie zu entfernen. Da nichts da war brach ich einen Ast ab und lief zurück um die Spinne von der Hose zu schubsen. Der Versuch scheiterte und die Spinne machte den Versuch das Bein hoch zu laufen. Schnell schubste ich sie dann doch mit dem Stock zurück ins hohe Gras und wir wechselten schnell die Straßenseite.

    Swantje musste wohl auf dem Rückweg, im hohen Gras, durch das Netz mit der Spinne gelaufen und sie so unabsichtlich mitgenommen haben. Hinterher fanden wir heraus, dass es sich um eine Wespenspinne handelt. Giftig ist sie zum Glück nicht, nur gefährlich im Aussehen.

    Der Versuch in Endingen etwas zu essen oder zu trinken zu finden scheiterte aufgrund des Ruhetages und so fuhren wir weiter bis nach Riegel. Dort fanden wir im „Eiscafé La Venecia“ eine Zuflucht. Der Laden war gerammelt voll und unsere Bestellung brauchte einige Zeit bis sie komplett war. Aber unser Spaghettieis (J. und ich) und die Eisschokolade (Swantje) schmeckten köstlich und gaben uns verbrauchte Energie zurück.

    Spaghettieis

    In Riegel klärte sich auch die große Anzahl an Radfahrer*innen auf, die uns um Endingen begegnet waren (95% E-Bikes): In der Gegend verlaufen 6 regionale/Fernradwege.

    Radwege satt in Riegel

    (s)

    Zurück auf dem Campingplatz wollte J. uns ein leckeres Mineralwasser ausgeben. Dieses hatten wir im Auto im Kofferraum gelagert. Es hatte inzwischen eine gute Temperatur, um damit direkt Tee oder Kaffee zu kochen.

    Der heutige Campingplatz liegt direkt am Müllersee. Unser Stellplatz ist nur etwa 50 Meter vom See entfernt. Die Vorfreude war schon den ganzen Tag riesig und nach der Fahrradtour hatten wir uns eine Abkühlung wirklich verdient. Wir gingen aufgeheizt ins eher kühle Wasser, welches schnell tief wurde. Nach bereits drei Metern konnten wir schon nicht mehr stehen. Mir wurde schnell kalt, so dass ich mich eher am Anfang des Sees aufhielt.

    Mülller-See (Foto: Swantje)

    Dort konnte ich dann einen ernsten Streit zwischen zwei Brüdern (ca. 7 und 9 Jahre alt) mitbekommen. Der Streit war so ernst, dass der jüngere dem älteren die Bruderschaft kündigte. Sie sind nun wohl Einzelkinder… Den Abend ließen wir mit den Resten der selbstgemachten Bolognese, einer Dokumentation über „Stuttgart 21“ und kühlen Getränken ausklingen.