Am ersten ganzen Tag im Urlaub genießen wir italienisches Gebäck und kommen nochmal in Kontakt mit dem italienischen Gesundheitsystem. Katharinas Bein tat immer noch weh. Vielleicht doch eine Thrombose?
Inhalt
Frühstück aus der Pasticceria – Fahrt nach Pisa – In der Uni-Klinik – Warten, warten, warten – Suche nach Essen – Zurück in der Ferienwohnung.
Im September 2024 sind wir, Katharina und ich, in unseren ersten, richtigen, gemeinsamen Urlaub gefahren. Es ging in die Nähe von Pisa, nach Camaiore.
Vom Flughafen Hamburg ging es über Frankfurt nach Pisa. Von dort denn mit dem Mietwagen erstmal nach Viareggio zum Essen und anschließend in unsere Ferienwohnung.
Inhalt
Flug von Hamburg über Frankfurt nach Pisa – Mietwagen – Fahrt nach Viareggio – Pizza essen – Eis essen – Fahrt nach Camaiore – Ferienwohnung – Krankenhaus – Einkaufen.
Was macht man, wenn man Familie in Hannover besucht? Hannover hat ja nun nicht die besten Sehenswürdigkeiten. Ja, vielleicht den Maschsee, das Rathaus, den Zoo oder die Herrenhäuser Gärten. Aber sonst?
Einen Park oder Garten zu besuchen ist an sich ja immer eine gute Idee für einen ruhigen Ausflug. Erst recht bei gutem Wetter wie an dem Tag unseres Besuches. Die Herrenhäuser Gärten sind aber nicht so spannend, außer man mag geometrisch angelegte Barockgärten wie den Großen Garten.
Einmal über die Straße vom Großen Garten, liegt der sogenannte Berggarten. Einen Berg gibt es hier nicht (mehr). Der Name kommt von einer eiszeitlichen Sanddüne, die hier bei der Errichtung noch bestand.
Herzog Johann Friedrich ließ den Garten im Jahr 1666 als Küchengarten für den Gemüseanbau anlegen. Schon ab 1686 wandelte sich die Nutzung. Man züchtete Tabak und Maulbeerbäume, versuchte die Anzucht allerlei exotischer Gewächse und sogar die Haltung von Seidenraupen zur Herstellung von Seide.
Kakteen-Haus, Tropenhaus und Orchideenhaus
Wir sind als erstes in die, Schauhäuser genannten, drei Gewächshäuser nach dem Eingang gegangen. Auf das trocken-warme Kakteen-Schauhaus mit Kakteen, Aloen und Agaven folgte das schwülwarme Tropenhaus mit Palmen, Schlingpflanzen und einem Teich und dann das wieder feucht-warme Orchideenhaus. Es ist schon faszinierend zu sehen, was für Pflanzen die Natur so in allen Klimazonen hervorgebracht hat.
Angenehmerweise waren die Pflanzen ohne die einheimische Fauna, also Moskitos und Co., zu bestaunen.
Im Schmuckhof
Im sogenannten Schmuckhof, zwischen den Gewächshäusern und der alten Bibliothek, sind viele verschiedene Pflanzen unter freiem Himmel zu betrachten.
Um ein Karree in der Mitte waren außen zwischen zahlreichen Sorten von Zitronen auch viele verschiedene Arten an Geranien in Töpfen gepflanzt. Das Besondere daran: In den Pflanzen steckt jeweils ein Stab. Am oberen Ende ist auf einer Plakette der Lateinische Name bzw. der Deutsche zu angebracht. Das Schild mit der Bezeichnung kann aber zur Seite gedreht werden.
Ein weiteres Schild fordert dazu auf, doch mal an den Blättern zu reiben und dann zu riechen. Unter dem Schild verbirgt sich dann das zu riechende Aroma.
Das Reiben und Riechen an den verschiedenen Geranien brachte viele verschiedene Aromen hervor: verschiedene Zitrusnoten von leicht bis schwer, Rosenduft, Cola-Aroma, Zimt, Herbes Parfum und so weiter.
Wie liest man eine Sonnenuhr?
Sonnenuhr im Schmuckhof
In der Mitte des Schmuckhofes, in einem quadratischen, leicht tiefergelegten Teil, umgeben von Sukkulenten, steht eine Sonnenuhr auf einem Sockel aus Stein. Jetzt war uns das Prinzip einer Sonnenuhr grundsätzlich nicht unbekannt. Dachten wir.
Zum Zeitpunkt unseres Besuches war es genau 13 Uhr. Die Sonnenuhr zeigte aber genau XII Uhr an. Okay. Laut Inschrift ist die Uhr vom königlichen Mechanikermeister John Rowley 1719 in London hergestellt worden. Also muss man vielleicht um eine Stunde zurückrechnen auf GMT. Kommt ja hin.
Aber was haben die Tabellen um den „Uhrzeiger“ herum zu bedeuten? Was sollen sie berechnen? Wir wurden nicht schlau daraus.
Zuhause habe ich dann herausgefunden, dass die Orginal-Uhr 1983 gestohlen aber wiederbeschafft werden konnte. Jetzt steht lediglich einen Nachbildung auf dem Sockel. Die Konstruktion hat durch die Skalen eine Genauigkeit von einer halben Minute und gilt damit als die genauste Sonnenuhr Europas!
Das Mausoleum der Welfen
Mausoleum im Berggarten
Am, vom Eingang aus gesehenen anderen Ende des Berggartens, am Ende einer langen Lindenallee, liegt das Welfenmausoleum. Dort liegen mehrere Mitglieder der Familie in der Gruft.
Links neben der mächtigen, mit Kupfernem Beschlag dekorierten Doppeltür, weist eine Platte auf den, im Exil verstorbenen, letzten König von Hannover hin: Georg V. von Hannover.
Er wurde von den Preußen besiegt und musste 1866 ins Exil nach Paris fliehen. Er wurde nach seinem Tod in der St George’s Chapel in Windsor Castle beigesetzt.
Fazit
Uns hat der Besuch des Berggartens sehr gefallen. Er bietet von Kakteen und tropischen Pflanzen über Blumen, Stauden, Gräsern bis zu Büschen, Bäumen und Teichen eine abwechslungsreiche Mischung an Pflanzen aus aller Welt. Und es gibt überall gute Sitzgelegenheiten zum Pause machen. Stichwort: ME/CFS.
Ich bin sicher, der Garten ist auch einen mehrfachen Besuch wert. Schließlich ändert sich die Vegetation ja im Verlauf eines Jahres stark,
Besonders angenehm fand ich die moderaten 5 € Eintritt für Erwachsene (Jahreskarte 35 €). Kinder unter 18 Jahre haben übrigens freien Eintritt.
Nach Eröffnung des neuen Ausstellungshauses mit Pflanzen der Kanarischen Inseln kommen wir bestimmt einmal wieder!
Montagmorgen. Der erste richtige Urlaubstag beginnt. Der Anreisetag gestern ist ja nicht so wie erwartet zu Ende gegangen. Katharinas Bein tat immer noch weh. Aber immerhin waren wir etwas beruhigter durch die ärztliche Meinung, dass es es keine Thrombose ist. Aber nochmal Kontakt mit dem italienischen Gesundheitssystem müssen wir nicht haben.
Geschlafen haben wir beide ganz gut. Leider gibt es aber keine richtige Bettdecke. Es gibt nur ein Laken und eine Art Tagesdecke. Da es nicht mehr hochsommerlich war, war es nachts schon recht kühl. Meine Wohlfühltemperatur wurde nachts knapp (20 °C) unterschritten. Aber es war aushaltbar. Und zum Glück gab es immerhin keine Mücken! In Italien sind ja schon die ersten Tigermücken unterwegs.
Fahrt zur Pasticcieria und Frühstück
Da wir ja Urlaub haben und ja auch spät zu Bett kamen, haben wir auch lange geschlafen (Das machen wir zuhause sonst aber auch gerne. 😉
Ich stehe als erstes frühmorgens (10:30 Uhr) auf und mache mich mit dem Panda auf den Weg zur Bäckerei bzw. Konditorei des Ortes. Zu Lorenzo Pasticceria & Caffè. Für die knapp zwei Kilometer benötige ich nur vier Minuten. Es geht aber wild drei-, viermal links und drei-, viermal wieder rechts. Teilweise sind die kleinen Straßen nämlich nur Einbahnstraßen.
Straße zur Ferienwohnung
Straße von der Ferienwohnung in Richtung Parkplatz
Das Parken geht hier wieder einfach mit EasyPark. Auch wenn ich nur kurz stehen werde bezahle lieber, denn ich weiß, dass die Italiener bei überhöhter Geschwindigkeit und Falschparken keinen Spaß verstehen. Dann lieber den Euro zahlen statt einen saftigen Strafzettel zu riskieren. Ich weiß ja nicht wie motiviert hier die Kontrolleure sind…
Die Pasticceria ist ein einzeln stehendes Haus mit einer großen, breiten Veranda unter dem vorgezogenem Dach. Im Verkaufsraum steht ein riesiger Tresen mit einer Auslage der unterschiedlichen Backwaren: Viele verschiedene Sorten an Cornetti (Croissants), Kuchen, Torten, Macarons, Cupcakes, Törtchen, Cannoli, Sfogliatelle (Gefüllte Blätterteigtaschen), belegte Foccaccia und vieles mehr. Und hinter dem rechten Bereich des Tresens eine riesige Espressomaschine wo die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sekundentakt den Siebträger einspannen und Espressi herstellen.
Cornetti mit Füllung Pistazie und Vanillecreme
Füllung satt!
Ich suche uns ein paar Cornetti (gefüllt mit Vanille-Pudding und Pistaziencréme) und etwas herzhaftes aus und fahre zurück in die Ferienwohnung. Es schmeckt unfassbar lecker! Die Cornetti sind aber wirklich seeehr gut gefüllt. So gut gefüllt, dass es schon fast etwas zu viel ist. 😅
Nach dem Frühstück macht sich Katharinas Bein wieder bemerkbar. Und zwar so, dass wir es nicht so lassen wollen, die Tagesplanung verwerfen und den Weg in die Universitätsklinik Pisa auf uns nehmen.
Fahrt nach Pisa zur Uniklinik
Wir erreichen gegen 16:30 Uhr die Notaufnahme der Uniklinik Pisa.
Der Wartebereich sieht aus wie in einer deutschen Notaufnahme. Es sitzen und stehen hier halt jede Menge Menschen herum und warten in schummerigem Licht.
Wir gehen als erstes nach rechts, wo anscheinend eine Art Anmeldung ist. Dort sind sind durch Stellwände, teils mit Fensterscheiben, kleine Abteile eingerichtet.
Am Anmeldetresen sprechen wir vor und versuchen unser Anliegen zu vermitteln. Zum Glück spricht die Dame ein paar Brocken Englisch und holt dann aber ihren Kollegen der leidlich Englisch spricht. Dann überreicht sie uns ein Klemmbrett mit Zettel und Stift. Wir müssen erstmal etwas Papier ausfüllen. Danach warten wir bis wir wieder dran sind. Wir geben die Zettel und Katharinas Krankenkarte ab und sollen uns in den Warteraum setzen. Die Karte bekommen wir schnell wieder aber dann heißt es bestimmt eine Stunde warten.
Dann kommen wir zu einer Art Ersteinschätzung. Die führt der Pfleger durch, der auch etwas beim Übersetzen geholfen hatte. Er untersucht grob Katharinas Bein und wir erhalten eine Wartenummer.
Unsere ist die Nummer 327. Die heißt auf italienisch: Trecentoventisette (Dreihundert Zwanzig Sieben). Und diese Zahl wird den gesamten Nachmittag eine Herausforderung bleiben. Denn die Zahlen werden nicht auf einem kleinen Bildschirm angezeigt, sondern nur von einer Pflegerin wild und in verschiedenen Varianten in den Raum gerufen. Also mal als „dreihundertsiebenundzwanzig“ oder mal als „dreisiebenundzwanzig“. Erschwert wird das dadurch, dass die Zahlen auch nicht aufsteigend aufgerufen werden, sondern völlig willkürlich. Mal sind sie höher als unsere, mal sind sie niedriger.
Wir müssen also jedes mal genau hinhören!
Warten, Warten und nochmals Warten
Nachdem wir uns zwei Sitzplätze gesucht haben beginnt die Warterei. Inzwischen ist es 17:30 Uhr. Wir vertreiben uns die Zeit mit Beobachtung der Geschehnisse in der Aufnahme. Neben vielen Wartenden wie uns kommt ab und zu auch der Rettungsdienst bzw. Krankentransport mit liegenden Patient:innen.
Schnell merken wir, dass wir nicht gut auf eine eventuelle, längere Wartezeit eingerichtet sind: Wir haben nichts zu essen oder zu trinken mit und kein Ladegerät für die Handys.
Ich kann aber auch nicht mal eben mit dem was besorgen fahren, weil Katharina ja jederzeit aufgerufen werden könnte und wir beiden zusammen ja schon immer gegenseitig nachfragen müssen ob das gerade unsere Zahl war. Außerdem muss ich bei Bedarf übersetzen.
Wir sind also im Warteraum gefangen. Mit sinkenden Akkuständen und ohne Verpflegung.
Kaffeeautomat 2
Kaffeeautomat 1
Einziger Lichtblick wären die diversen Automaten. Zwei bereiten diverse Kaffeespezialitäten vor. Und beide mahlen jeweils frische Bohnen und machen bestimmt einen guten Caffè (Espresso) und andere Heißgetränke. Das gibt es nur in Italien. 😁
Der andere Automat ist für Snacks. Leider ist dort die kontaktlose Bezahlmöglichkeit defekt. Und wir haben nur minimal Kleingeld dabei… Das bedeutet für uns: Nur ein kleiner Snack und ein Wasser.
So ziehen sich die Stunden dahin.
Gegen 21:30 Uhr werden wir dann endlich aufgerufen und werden in einen Flur hinter einer Tür geleitet. Dort stehen sitzen und stehen viele weitere Patient:innen. Es liegen aber auch etliche in Krankenhausbetten. Teilweise am Tropf oder an Überwachungsgeräten.
In einem großen Raum vom Flur ab ist eine Art Überwachungssaal, wo nur Betten mit liegenden Patient:innen stehen. Katharina kann im Flur sitzen. Ich will (und kann) inzwischen nicht mehr sitzen.
Irgendwann kommen wir dran und werden von einem recht jungen Arzt in ein Zimmer gebeten. Nach kurzer Erklärung der Vorgeschichte untersucht er das Bein von außen und macht dann auch ein Ultraschall. Die Untersuchung ergibt: Weiterhin keine Thrombose. Sehr gut!
Ein langer Tag geht zu Ende
Wir verlassen die Notaufnahme um kurz vor 23 Uhr. Sieben Stunden haben wir jetzt mit Ersteinschätzung, Warten und Diagnostik zugebracht. Das wäre in Deutschland wahrscheinlich nicht viel schneller gegangen. Aber immerhin haben wir endlich die Bestätigung, dass es definitiv keine Thrombose ist!
Jetzt sind wir einfach nur kaputt, müde, hungrig und durstig und wollen endlich zurück in die Ferienwohnung. Ciao Pronto Soccorso!
Wo bekommt man denn aber jetzt noch etwas zu Essen und zu Trinken? Da fällt uns natürlich McDonalds ein! Die gibt es auf der ganzen Welt und die haben immer auf.
Diese Theorie entpuppt sich aber leider als falsch. Die beiden am nächsten gelegenen Filialen haben nur bis 23 Uhr geöffnet. Angesichts der Tatsache, dass wir beide leicht hungerbös sind, habe ich auch keine große Lust noch lange Umwege zu fahren.
In Pisa finden wir also nichts zu Essen. Nicht einmal die Tankstellen haben auf. Die Stadt ist wie ausgestorben. Tote Hose. Frustrierend.
In Lido di Camaiore, in der Nähe des Krankenhauses wo wir gestern waren, ist auch ein McDonalds. Aber auch der macht gerade zu als wir ankommen… 😢
So bleibt uns nichts anderes übrig, als zur Unterkunft zu fahren und ein paar spärliche Reste aus dem Kühlschrank zu essen.
Müde und hungrig gehen wir zu Bett und schlafen wie die Steine.
Sonntagmorgen Ende September 2024 um 5 Uhr. Der Wecker klingelt.
Endlich ist es soweit. Unser erster richtiger Urlaub in Italien beginnt!
Wir, dass sind meine Freundin Katharina und ich. Vier Jahre sind wir schon zusammen. Und, aus gewissen Gründen, haben wir bisher keinen gemeinsamen Urlaub gemacht.
Warum es unser erster richtiger Urlaub ist
Wir haben uns Mitte 2020 während Corona kennengelernt. Außer zwei Tagen auf Pellworm war kommenden eineinhalb Jahre war dann gar nichts mit Reisen. Ganz im Gegenteil sogar. Lockdowns und Kontaktverbote bestimmten auch unser beider Leben.
Dann kam die Phase der Impfungen und Katharina wurde plötzlich krank. Nach einer langen Odyssee von Arzt zu Arzt haben wir inzwischen eine Diagnose: ME/CFS durch die Covid-Impfung. Post-Vac-Syndrom. Das bedeutet: Eine dauerhafte, tiefgehende körperliche Erschöpfung auf Zellbasis. Eine Therapie gibt es bisher nicht. Lange Ruhepausen sind nach Aktivitäten notwendig. Sie hat 100% Erwerbsunfähigkeit und eine 60 % Schwerbehinderung.
Wir mussten also warten bis sich Katharinas Zustand soweit gebessert hatte, dass eine Flugreise überhaupt möglich ist.
Anreise nach Pisa
Ich habe die Reise im Kopf also schon dementsprechend geplant. Nicht zu viel Aktivitäten. Möglichst mit dem Auto fahren. Viele Pausen einplanen.
Wir beladen das Auto und fahren nach Hamburg zum Flughafen. Von dort fliegen wir nach Frankfurt (Natürlich mit Maske). Dort wartet die erste Herausforderung: Das Umsteigen. Vom Flugzeug geht es in den Bus der uns (stehend) über das Rollfeld zum Terminal bringt. Vom Terminal A (die genaue Nummer weiß ich nicht mehr) müssen wir (gefühlt) 1,5 km zum anderen Terminal laufen. Und natürlich haben wir immer die Uhr im Hinterkopf, denn so viel Umsteigezeit haben wir nicht.
Aber wir schaffen es ohne Probleme und sind bald schon über den Alpen. Schnell kommt auch Pisa in Sicht.
Flughafen und Mietwagen
Nach der Landung fällt mir schon auf: Der Flughafen ist nicht mehr der modernste. Schon von außen sehen die Gebäude etwas abgeranzt aus. Naja italienischer Charme halt. Der erste äußere Eindruck wird innen bestätigt. Aber wir bekommen ganz normal unser Gepäck und verlassen dann den Flughafen.
Von vorne macht der Flughafen nicht ganz so einen schäbigen Eindruck.
Was und sofort auffällt: Zuhause waren es noch 11 °C, hier in Pisa sind es wohlige 24 °C.
Wir gehen vom Terminal nur vorne an den Bussteig und nehmen den Transfer-Bus zum Mietwagenzentrum (stehend). Nach 5 Minuten Fahrt sind wir da.
Nachdem die üblichen Formalitäten erledigt sind können wir unser Auto für den Urlaub übernehmen: Ein blauer Panda. Immerhin sogar mit CarPlay!
Unser Panda
Fahrt nach Viareggio
Da wir unsere Ferienwohnung erst ab 15 Uhr beziehen können und es jetzt erst 10:30 Uhr ist, müssen wir die Zeit irgendwie sinnvoll füllen.
Das ist aber kein Problem, denn seit dem Start zuhause gab es nur die (zweifelhaften) Snacks im Flugzeug. Etwas leckeres zu Essen und zu trinken zu finden ist also mehr als notwendig.
Unser Plan ist erstmal vom Flughafen Pisa bis nach Viareggio zu fahren. Das sind etwa 22 Kilometer mit einer halbe Stunde Fahrt. Also schnell das Navi programmieren und los geht es!
Der Anfang ist etwas verwirrend. Nicht wegen des italienischen Verkehrs, sondern weil uns Google Maps in ein Wohngebiet in die völlig falsche Richtung führt. Dann fahren wir über eine Überführung auf eine Kraftfahrstraße. Nach kurzer Zeit sollen wir aber umdrehen und fahren wieder über die gleiche Brücke zurück zum Flughafen. Keine Ahnung was das Problem ist.
Nach einer erneuten Eingabe der Daten sind wir endlich auf der richtigen Route und dann auch schnell in Viareggio.
Essen in Viareggio
Der Ort hat etwa 60.000 Einwohner:innen und bietet einen langen breiten Strand, eine lange, moderne Promenade mit Fußgängerzone und vielen Geschäften. Für uns wirkt alles einfach herrlich mediterran.
Viareggio verfügt über einen Yachthafen mit vielen kleinen und großen Yachten und vielen Werften/Yachtunternehmen. Außerdem teilt ein Fluss die Stadt.
Wir versuchen erst im südlich gelegenen Teil ein Restaurant zu finden. Aber an der Viale Europa hat alles noch zu bzw. es ist nichts los. Das lockt mich nicht so. Wir fahren also auf die andere Seite vom Fluss wo ich zuhause schon eine Pizzeria rausgesucht hatte.
Wir parken so nah wie möglich an der Promenade damit Katharina nicht so viel laufen muss. Zuviel Wärme verträgt ihr Kreislauf nicht. Stichwort: POTS.
An der Promenade gehen wir zur L’Antica Pizzeria Da Michele Viareggio. Die Pizzeria hat 4,8 von 5 Sternen bei Google Maps. Das muss ja schon was heißen. Und sogar Prominente wie Julia Roberts haben hier schon gegessen.
Pizzeria Da Michele Viareggio
Das Restaurant ist gut besucht aber nicht voll und wir bekommen drinnen einen Tisch für zwei. Draußen in der Sonne hätten wir es auch nicht ausgehalten. Direkt am Eingang ist die offene Küche mit einem riesigen Pizzaofen und einer Fritteuse. Hier wird Calzone auch frittiert!
Pizzaofen
Fritteuse
Wir bestellen schnell unsere Getränke (Ich: Großes Bier, Sie: Wasser) und das Essen (Ich: Calzone, Sie: Pizza Bianco).
Innerhalb von Minuten ist das Essen fertig und Katharinas riesige Pizza, bestimmt 40 cm im Durchmesser, und meine Calzone landen bei uns auf dem Tisch!
Calzone
Pizza ist da!
Mit großem Appetit fallen wir über unser Essen her. Und es schmeckt einfach unfassbar lecker!
Un Gelato, per favore!
Natürlich schaffen wir nicht alles und Katharina lässt sich den Rest im Karton zum mitnehmen einpacken. Keine gute Idee wie sich später herausstellt, denn die Pizza wird aufgrund der Wärme draußen schnell ungenießbar.
Nun machen wir uns auf den Weg nach einem Nachtisch. Und was liegt näher als ein italienisches Eis!
Nicht weit von der Pizzeria liegt das mehrfach preisgekrönte Laboratorio del gelato. Dort essen wir unfassbar gutes Eis! Ich: Schokolade. Sie: Pistazie und Vanille. Mein Schokoladeneis schmeckt so cremig und lecker wie eine Mousse au Chocolat! Unfassbar lecker. Und preislich voll in Ordnung.
Gelato!
Wir schlendern durch die Nebenstraßen zurück zum Auto.
Es sieht einfach aus wie man sich Italien so vorstellt. Alte Häuser, teils gut gepflegt, teils etwas schlechter, hölzerne Fensterläden, alte Briefkästen und Klingeln, filigrane Balkone, alte Kirchen und krumme Bäume.
Kirche
Briefkästen
Nebenstraße in Viareggio
Fahrt nach Camaiore
Inzwischen ist es fast 14 Uhr und wir machen uns langsam auf den Weg nach Camaiore (10 km, 15 Minuten Fahrt). Bevor wir zur Ferienwohnung fahren, müssen wir aber noch etwas zu trinken kaufen. Dazu steuern wir den örtlichen Sigma-Supermarkt an.
Das ist schnell erledigt und wir folgen dann dem Navi quer durch den Ort. Die Straßen werden schnell schmaler und der Weg führt leicht bergauf und biegt irgendwann links ab in eine Einbahnstraße. Die ist so schmal, dass ich sehr langsam werden muss, weil ich nicht weiß, ob das Auto überhaupt hindurchpasst! Dann geht es wieder etwa bergab und dann sind wir auch schon da.
Enge Durchfahrt
Ferienwohnung
Zum Ausladen fahre ich kurz in den kleinen Hof. Denn eigentlich ist Parken für uns nur auf einem öffentlichen Parkplatz um die Ecke vorgesehen.
Unser Vermieterin erwartet uns. Sie wohnt im Haupthaus, die Ferienwohnung befindet sich hinten angeschlossen im Hof. Sie übergibt uns den Schlüssel und gibt uns noch ein paar Tipps.
Die Wohnung verfügt über ein Bad, ein Wohnzimmer mit Küchenzeile und ein Schlafzimmer mit Doppelbett. Theoretisch gehört auch noch ein winziger Innenhof zwischen den Häusern dazu. Den werden wir aber nicht nutzen.
Im Hof gibt es noch einen gemauerten Pizzaofen, wein rankt am Gebäude hoch und der Blick ist frei auf die umgebenden Berge.
Ausblick von der Terrasse
Eingang zur Ferienwohnung
Weintrauben
Kleiner Innenhof
Im Supermarkt
Nachdem wir uns grob eingerichtet haben fahren wir nochmal zum Sigma um das notwendigste für Abendbrot und Frühstück einzukaufen.
Der Supermarkt gefällt mir sehr gut!
Es gibt natürlich eine ganz andere Auswahl an Früchten und Gemüse, Milchprodukten, Fleisch und Käse. Vieles abgepackt, gefühlt 500 g große Mortadella-Packungen, aber auch jeweils ein riesiger Fleisch-, Käse- und Backwarentresen. Es gibt natürlich Mortadella, Schinken, Würste, Käste verschiedener Sorten und Brot und Süßes.
Fleischtresen im Sigma Camaiore
Wir decken uns mit allem wichtigen und unwichtigen ein und fahren zurück zur Ferienwohnung.
Thrombose im Bein?
Jetzt würde man normalerweise den ersten Abend im Urlaub mit einem Getränk genießen und sich ausruhen. Aber das ist uns leider nicht vergönnt.
Seit der Ankunft hat Katharina schon Schmerzen im linken Bein. Und sie hatte ja genau in dem Bein vor zwei Jahren eine tiefe Beinvenenthrombose. Seitdem muss sie Kompressionsstrümpfe tragen weil die Venenklappen beschädigt sind. Wegen der Flugreise hatte sie sich extra mit ihrem Hausarzt besprochen und hat sich natürlich besonders Gedanken gemacht. Und ich hatte auch zur Sicherheit eine Reisekrankenversicherung mit Rücktritt abgeschlossen.
Jetzt tut das Bein also weh und natürlich liegt der Verdacht einer Thrombose nicht fern. Jetzt ist guter Rat teuer. Wir nehmen erstmal telefonisch Kontakt zur Versicherung auf und lassen uns beraten. Man rät uns ins nächste Krankenhaus zu fahren oder in die Uniklinik nach Pisa.
Wir nehmen Kontakt zu unserer lieben Vermieterin Alessandra auf und fragen nach dem nächsten Krankenhaus. Das liegt 15 Minuten Fahrzeit von uns in Richtung Viareggio.
Im Ospedale Versilia
Na, das kann ja spannend werden! In einem Land, in dem man selbst nicht die Sprache spricht und auch das Gesundheitssystem nicht kennt, zum Arzt zu gehen. Für die Bestellung einer Pizza oder eines Bieres reicht mein Italienisch gerade so und lesen kann ich auch so einiges. Aber medizinisch reicht das vorne und hinten nicht. Ob und wie gut Englisch dort gesprochen wird, ist ebenfalls fraglich.
Nach kurzer Fahrt kommen wir am Ospedale Versilia an. Nachdem wir geparkt haben orientieren wir uns in Richtung Notaufnahme (Pronto Soccorso). Google Translate ist einfach gut.
Als erstes müssen wir an einem bewaffneten Wachmann/Polizisten vorbei und unser Anliegen vortragen. Wir lernen: Das Wort für Thrombose ist auf italienisch Trombosi. Ein Zeigen auf das Bein macht das Problem schnell verständlich. Wir werden zur Anmeldung vorgelassen, wo die Mitarbeiterin ganz gut Englisch spricht und schnell versteht was los ist. Wir müssen im Wartebereich ein paar Formulare ausfüllen und dann etwas warten. Es sitzen aber lediglich ein paar Leute im Wartebereich. Unsere Krankenkassenkarte wird übrigens problemlos akzeptiert.
Irgendwann bringt uns die Dame dann in einen kleine Nische, die nur mit einem Vorhang vom Flur abgetrennt ist. Der Flur ist eher schwach beleuchtet und es stehen viele Geräte und Betten am Rand. Und in unserem kleinen „Raum“ mit der Größe von 3x3m ist es noch dunkler. Neben einer Krankenhausliege steht dort diverse Geräte wie ein 12-Kanal-EKG, ein Rollwagen und einige Infusionsständer. Es wirkt etwas nach Abstellecke.
Nach etwa 20 Minuten kommt ein älterer Arzt im grünen Kasack zu uns. Der spricht auch ganz gut Englisch, natürlich mit einem niedlichen italienischen Akzent. Ich erläutere die Vorgeschichte und er beginnt das Bein zu untersuchen. Dann verschwindet er kurz und kommt mit einem, etwas älteren, Ultraschallgerät zurück. Dann schallt er das Bein ausführlich.
Nach kurzer Zeit ist er fertig und präsentiert uns dein Ergebnis: Keine Thrombose. Das zeigt er uns auch auf dem Ultraschall. Wir sollen es beobachten, eventuell Schmerzmittel nehmen und sonst wiederkommen.
Wir fahren zurück zur Ferienwohnung und legen uns erschöpft schlafen.
So haben wir uns den ersten Urlaubstag nun wirklich nicht vorgestellt!
Heute waren wir auf der Zugspitze. Und es war absolut die richtige Entscheidung heute dort hin zu fahren!
Die Wettervorhersagen verhieß genauso gutes Wetter wie gestern aber tendenziell noch etwas klarer. Und das wollten wir nutzen. Also stellten wir zum ersten Mal im Urlaub die Wecker um gleich morgens mit der ersten Seilbahn nach oben zu fahren. Mein Wecker ging um 6:30 🙈
Talstation Zugspitzbahn
Um halb 8 fuhren wir dann über Österreich bis an den Eibsee zur Talstation der neuen Zugspitzbahn. Und obwohl wir um 8:20 dort ankamen waren wir nicht die ersten auf dem Parkplatz (Parken 6€ für 4 Stunden). Ich aß noch schnell mein Butterbrot bevor wir zur Talstation gingen und die Karten kauften (59€ pro Erwachsenen). Die Gondel direkt vor uns war schon voll und so mussten wir auf die nächste warten, was aber gut war denn so standen wir ganz vorne in der Schlange und hatten freie Platzwahl.
Nachdem die Gondel abgefahren war bewegte sich die gesamte Plattform wo man ein- und aussteigt von der einen Seite auf die andere, so dass auf unserer Seite ein Spalt entstand wo die Gondel vom Berg einfahren konnte. Faszinierend!
Bewegliche Plattform zum Ein- und Aussteigen
Abfahrende Kabine
Wir bestiegen die Kabine und stellten uns direkt vorn an die Scheibe mit Blick auf den Berg. Schon beeindruckend wenn man den 127 m hohen, einzigen, Stützpfeiler sieht und die Kabine am Berg schnell immer kleiner und kleiner wird..
Pfeiler in Sicht
Die neue Seilbahn wurde 2017 in Betrieb genommen und überwindet 1945 Höhenmeter von der Talstation bis zum Gipfel in knapp 15 Minuten. Außerdem überbrückt sie das weltweit längste freie Spannfeld, also den Bereich zwischen Mast und Bergstation, mit 3.213 Metern Länge. Die Türen schlossen sich und die Fahrt ging los. Auch hier war die Kabine beunruhigend voll..
Erst ganz langsam setzte sich die Kabine in Bewegung, dann immer schneller. Schnell gewonnen wir an Höhe und die Aussicht wurde immer besser. Obwohl ich eigentlich Höhenfest bin wurde mir, und auch anderen Fahrgäst*innen etwas komisch als wir den Pfeiler passierten und die Kabine kurz einen kleinen Hopser machte und leicht hin und her schwang. 😳
Schnell hatten wir die Bergstation erreicht und schauten uns oben alles an. Dort hatten wirklich den erwarteten sensationellen Ausblick nach allen Seiten. Die Fernsicht war einfach super, wir konnten sogar bis zu den Gipfeln der Schweizer Alpen sehen, etwa 140 km Luftlinie entfernt. Wahnsinn!
Bergstation der neuen Seilbahn
Selfie auf der Zugspitze
Wir gingen rundherum, machten nach allen Seiten Fotos, telefonierten nachhause (freies WLAN gibt es nämlich da oben) und warfen Postkarten in Deutschlands höchstem Briefkasten ein. Zur Stärkung tranken und aßen wir eine Kleinigkeit auf der österreichischen Seite im Restaurant.
Für die Abfahrt vom Berg wählten wir die alternative Route mit der kleinen Seilbahn auf den Gletscher der Zugspitze und von dort mit der Zahnradbahn bis zur Talstation zurück. Diese Idee war aber nur halb so gut wie gedacht.
Gletscher
Der Gletscher gab zwar noch andere Ansichten von der Bergstation oder den Felsen rundherum, die Schneereste waren aber mickrig. Und die Fahrt mit der Zahnradbahn bot nur eine neue Ansicht da die Bahn die Hälfte der Strecke im Tunnel fährt und die andere Hälfte durch Wald und man also nichts sieht.
Bergstation Gletscher Zugspitze der Zahnradbahn
Abfahrt mit der Zahnradbahn
Blick auf den Eibsee
Wieder an der Talstation fuhren wir zurück nach Füssen, kauften ein und verbrachten den Nachmittag auf dem Campingplatz mit Baden, Schlafen, Abendessen und Reisebericht schreiben. 😉
13.09.2020 Deutschlandtour Tag 15; Badhütten (Tettnang) -> Hopfensee, Füssen und Tegelberg
Heute war wieder ein halber Reisetag. Knapp zwei Stunden Fahrzeit zeigt unser Navi bis zum Hopfensee, bei Füssen, an. Vom Campingplatz Badhütten ging es über erst merkwürdige Wege über Land aber dann wurde es doch langsam immer bergiger und irgendwann kamen auch die ersten Gipfel in Sicht. Dann passierten wir die Grenze zu Bayern. Da wir vorher kein Visum beantragt hatten, waren wir etwas unsicher ob wir einreisen dürften, wir wurden aber nicht erwischt (🤪).
Allgäuer Landschaft
Die Landschaft wurde immer mehr wie das Klischee von Bayern: Gipfel in der diesigen Ferne, hübsche Bauernhöfe und Häuser mit Schindeln gedeckt und hölzernen Balkonen und Kühe mit Glocken.
Dann kam bald der Hopfensee in Sicht und wir waren echt beeindruckt: Wunderschön in den Hügel und vor den Alpen gelegen! Und genauso schön gelegen ist der Campingplatz Hopfensee der direkt am See liegt. Von unserem Stellplatz sind es auch nur 50m bis zum Wasser.
Flyer Campingplatz Hopfensee
Nach den üblichen Aufbautätigkeiten tranken wir zu dritt zwei Biere zur Stärkung und warfen uns gleich in die, frischen, Fluten des Sees. Das Wasser war kühl und angenehm aber etwas grün-braun durch Schwebeteilchen. Der Seeboden und der Strand bestehen aus kleinen Kieselsteinen. Merkwürdig waren nur die Unterwasserpflanzen mit Dornen, die uns in die Beine piekten. Vermutlich ist es das Große Nixenkraut. Es piekst wie Brombeeren am Bein. 😳
Dank moderner Technik, wasserdichtes Smartphone, konnte ich sogar im See und unter Wasser fotografieren.
Nixenkraut
Badestelle Hopfensee
Selfie im Hopfensee
Getrocknet und umgezogen sattelten wir die Räder und fuhren nach Füssen und dort an die Talstation der Tegelbergbahn. Wir lösten drei Fahrkarten (23€ pro Person) und fuhren mit der Seilbahn nach oben. Wegen Corona durfte die Kabine nur mit 75% der Kapazität genutzt werden. Das bedeutete hier 30 Personen. Was für uns viel, viel zu eng war. Enger wurde es auch weil diverse Gleitschirmflieger mit ihren riesigen Rucksäcken ebenfalls auf den Gipfel wollten. Aber die Fahrt dauerte ja nur 6 Minuten (ich habe einfach möglichst flach geatmet).
Seilbahn zum Tegelberg
Schon während der Bergfahrt lauschten wir dem Bericht eines Gleitschirmfliegers der von einem Rettungseinsatz von Personen aus einem Klettersteig berichtete. Den Hubschrauber konnten wir auch bald sehen und oben von der Bergstation die Manöver beobachten. Mehrmals flog er einen schmalen Grat an und ließ auch mehrere Personen auf und ab.
Hubschraubereinsatz
Selfie auf dem Tegelberg
Aussicht vom Tegelberg
Wir genossen von den die herrliche Aussicht, die Weitsicht war auch ganz gut und machten eifrig Fotos von uns und der Umgebung. Fasziniert beobachteten wir auch die Gleitschirm- und Drachenflieger die sich oben bereit machten. Anfangs war der Wind wohl noch zu schwach oder von der Richtung ungünstig aber dann ging es los und einer nach dem anderen hob ab. Faszinierend!
Abflugplatz
Drachenflieger warten auf den Start
Nach einiger Zeit nahmen wir dann wieder die Bahn nach unten und fuhren mit den Rädern zu einem Gasthof um unseren Durst zu stillen. Das gab uns neue Kraft um durch Füssen zurück zum Hopfensee zu fahren und uns eine nettes Restaurant zum Abendessen zu suchen. Im Hotel „Fischer am See“ fanden wir gerade noch einen Platz. Der Rest des Ortes war schon voll. Das Essen war gut aber leider waren die zwei armen älteren Damen mit dem Service für drinnen uns draußen etwas überfordert. Naja.
Und als wir fast schon am Campingplatz waren konnten wir auch noch ein paar Alphörner hören die irgendwo in der Nähe ein kleines Konzert gaben. Mehr Klischee geht wirklich nicht! J. ging nochmal baden und erschöpft gingen wir früh zu Bett um morgen früh aufzustehen. Die Zugspitze wartet! 🙂
10.09.2020 Tag 12, Riegel am Kaiserstuhl -> Tettnang am Bodensee
Der heutige Tag war eigentlich nur ein Reisetag. Wir fuhren nach dem Frühstück los in Richtung Schwarzwald und erreichten diesen auch bald. Steil schlängelte sich die Straßen durch eine, beinahe schluchtartige, Engstelle um sich dann in vielen Serpentinen und Kurven nach oben zu schrauben.
Aufstieg in den Schwarzwald
Irgendwann erreichten wir das „Plateau“ des Schwarzwaldes um dann in irgendwann wieder hinunter zu fahren und dem Bodensee immer näher zu kommen. Bald kam er auch in Sicht und wir folgten seinem Ufer um am „Gutshof Camping Badhütten“ in Laimnau, Ortsteil von Tettnang anzukommen.
Gasthaus am Campingplatz Badhütten
Schwimmbad auf dem Campingplatz
Leider hatte der Platz noch Mittagsruhe aber nach 15 Minuten warten bekamen wir unseren Platz zugeteilt und bauten schnell auf. Der Campingplatz ist idyllisch gelegen in einer wunderschönen Gegend mit vielen Apfel- und Hopfenplantagen und hat sogar ein eigenes schickes Schwimmbad. Teilweise Äpfel soweit das Auge reicht und die einzelnen Bäume dicht behangen.
Apfelplantage, dick behangen
Geernteter Hopfen
Nach etwas Ausruhen fuhren wir einkaufen in den Ort Kressbron. Einige von uns badeten und nach dem Baden fuhren wir zum Abendessen nach Laimnau in den Gasthof „Zum Landwirt“.
Gastwirtschaft „Zum Landwirt“
Dort saßen wir unter Wein draußen und genossen rustikale Landküche. J. und Swantje eine riesige Fleischpfanne für zwei Personen, ich einen klassischen Zwiebelrostbraten. Dazu gab es zwei Sorten Apfelmost und Hefeweizen. Als Abschluss gab es einen Schnaps bevor wir dann mit einem kleinen Umweg zurück zum Campingplatz fuhren und den Abend dort ausklingen ließen.
09.09.2020 Tag 11, Stuttgart -> Riegel am Kaiserstuhl -> Kaiserstuhl
Der heutige Bericht ist eine Gemeinschaftsarbeit von Swantje (s) und mir (h)
(h)
Heute sind wir von Stuttgart wieder weitergezogen in Richtung Kaiserstuhl.
Unser Navigationssystem (Google Maps) wies uns denselben Weg in Richtung Leonberg wie gestern, nur dass wir abfahren sollten aufgrund von Stau/stockendem Verkehr. So fuhren wir von der Autobahn ab und tingelten durch die schwäbische Landschaft. Es ging über Hügel, Täler und durch kleine enge Orte. Spannenden Orte die wir sonst sicher nie gesehen hätten wie Wurmberg oder Niefern-Öschelbronn. Dafür war die Aussicht aber zwischendurch echt schön und es herrschte ländliche Idylle.
Irgendwo in BaWü
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Auf dem Campingplatz angekommen, nahmen wir einen kleinen Mittagssnack zu uns und sattelten dann unsere Räder um Richtung Kaiserstuhl zu fahren. Der Kaiserstuhl ist ein 556,8 m hoher, verwitterter Vulkankegel. Unsere Radtour ging zunächst über tolle Fahrradwege, hauptsächlich zwischen Maisfeldern entlang. Wir fuhren durch ein paar schöne Ortschaften. Besonders Endingen am Kaiserstuhl hat bei uns einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Altes Stadttor Endingen
Ein Örtchen mit vielen Fachwerkhäusern und kleinen „Lädele“, welches seinen Charme versprühte. Leider hatten die meisten Geschäfte und Gasthöfe am Mittwoch Ruhetag.
Wir passierten das schöne alte Stadttor und fuhren entlang einer Landstraße weiter. Dort kamen wir an sehr vielen Obstfeldern und Weinbergen vorbei. Prompt hielt ich an und naschte an einer Traube. Ich verzog mein Gesicht und urteilte, dass diese gut noch etwas Sonne vertragen könnte. Henning und ich genehmigten uns auch noch jeweils einen sehr leckeren süßen Apfel. Die Äpfel waren von der Sonne so warm, dass Henning spontan die Assoziation eines „Bratapfels“ hatte. 🤪
Apfelplantage
Weiter ging der Weg an der Landstraße, eingerahmt von Weinbergen doch leider wurden wir auf der Bundesstraße, ohne Radweg, von vollbeladenen Treckern überholt, die mit der Weinlese beschäftigt waren. Etwa vier Kilometer vor unserem Ziel ging es dann bergauf. Und das ziemlich steil. Bei einer Steigung von bis zu 12% sangen wir eine Lobeshymne auf die E-Bikes. Wobei dieser Berg selbst mit den E-Bikes herausfordernd war. Mit zwei kleinen Unterbrechungen erreichten wir das Ziel und wurden mit einem herrlichen Ausblick über die Weinberge belohnt.
12° Gefälle
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Knapp 250 Höhenmeter hatten wir nun geschafft und uns die gute Aussicht mehr als verdient. Auch hier kosteten wir ein paar helle Trauben und stellten fest: Die sind sehr süß und vermutlich sehr bald erntereif.
Reife Trauben
Nachdem wir ein paar Schlucke Wasser aus einer kleinen Flasche geteilt und auch Fritz noch die Weinberge inspiziert hatte rollten wir den Berg wieder hinunter.
Aussicht vom Kaiserstuhl
Fritz im Weinberg
Mir war ein bisschen mulmig zu Mute, sind meine Scheibenbremsen doch schon länger nicht mehr die besten. Und die Vorstellung mit 100 km/h den Berg hinunter zu rollen und dabei zu stürzen oder den Vordermann bei einem Bremsmanöver zu touchieren oder zu rammen war nicht verlockend.
Vor der ersten scharfen Kurve ging es noch aber auf der langen Geraden kamen wir richtig in Fahrt! Swantjes Tacho zeigte kurzzeitig 51 km/h an und meiner 49,6 km/h und das ist die höchste Geschwindigkeit die ich je mit einem Fahrrad gefahren bin.
Abfahrt!
Wir rollten zurück durch Kiechlinsbergen und Königschaffhausen und hielten nochmal in den Obstfeldern an, weil Swantje noch eine Zwetschge probieren wollte. Wir hielten auf der rechten Fahrbahnseite an und Swantje lief über die Straße um 3 Zwetschgen zu holen. Sie musste dabei etwas von der Straße hinunter da das Feld etwas tiefer lag.
Als sie auf dem Rückweg war, J. und ich waren mit Gucken in die andere Richtung abgelenkt, schrie sie auf einmal: „Oh mein Gott! Hier ist die größte Spinne die ich je gesehen habe!“
Im ersten Moment reagierten wir gar nicht, beziehungsweise wir dachten wohl „Jaja. Die nun wieder. Große Spinne haha…“
Aber auch nach unserem Umdrehen und aufmunternden Worten blieb sie wie versteinert am Straßenrand stehen. Ich wunderte mich und ging zu ihr hin um die Spinne zu begutachten. Und was soll ich sagen: Auch mich schauderte es. Die Spinne, die auf dem unteren Ende von Swantjes kurzer Hose saß, war mit Beinen etwas kleiner als ein runder Bierdeckel und der Körper etwa brombeergroß. Der Hinterleib war gelb/grün/schwarz gestreift, die Beine auch mit schwarzen Streifen und optisch spitz wie ein Stachel vom Stachelschwein.
Spinne auf dem Hosenbein
Insgesamt also eine Erscheinung die auch mich abschreckte. Ich machte, natürlich, erst ein Foto für die Nachwelt und lief dann wieder über die Straße um etwas zu suchen um sie zu entfernen. Da nichts da war brach ich einen Ast ab und lief zurück um die Spinne von der Hose zu schubsen. Der Versuch scheiterte und die Spinne machte den Versuch das Bein hoch zu laufen. Schnell schubste ich sie dann doch mit dem Stock zurück ins hohe Gras und wir wechselten schnell die Straßenseite.
Swantje musste wohl auf dem Rückweg, im hohen Gras, durch das Netz mit der Spinne gelaufen und sie so unabsichtlich mitgenommen haben. Hinterher fanden wir heraus, dass es sich um eine Wespenspinne handelt. Giftig ist sie zum Glück nicht, nur gefährlich im Aussehen.
Der Versuch in Endingen etwas zu essen oder zu trinken zu finden scheiterte aufgrund des Ruhetages und so fuhren wir weiter bis nach Riegel. Dort fanden wir im „Eiscafé La Venecia“ eine Zuflucht. Der Laden war gerammelt voll und unsere Bestellung brauchte einige Zeit bis sie komplett war. Aber unser Spaghettieis (J. und ich) und die Eisschokolade (Swantje) schmeckten köstlich und gaben uns verbrauchte Energie zurück.
Spaghettieis
In Riegel klärte sich auch die große Anzahl an Radfahrer*innen auf, die uns um Endingen begegnet waren (95% E-Bikes): In der Gegend verlaufen 6 regionale/Fernradwege.
Radwege satt in Riegel
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Zurück auf dem Campingplatz wollte J. uns ein leckeres Mineralwasser ausgeben. Dieses hatten wir im Auto im Kofferraum gelagert. Es hatte inzwischen eine gute Temperatur, um damit direkt Tee oder Kaffee zu kochen.
Der heutige Campingplatz liegt direkt am Müllersee. Unser Stellplatz ist nur etwa 50 Meter vom See entfernt. Die Vorfreude war schon den ganzen Tag riesig und nach der Fahrradtour hatten wir uns eine Abkühlung wirklich verdient. Wir gingen aufgeheizt ins eher kühle Wasser, welches schnell tief wurde. Nach bereits drei Metern konnten wir schon nicht mehr stehen. Mir wurde schnell kalt, so dass ich mich eher am Anfang des Sees aufhielt.
Mülller-See (Foto: Swantje)
Dort konnte ich dann einen ernsten Streit zwischen zwei Brüdern (ca. 7 und 9 Jahre alt) mitbekommen. Der Streit war so ernst, dass der jüngere dem älteren die Bruderschaft kündigte. Sie sind nun wohl Einzelkinder… Den Abend ließen wir mit den Resten der selbstgemachten Bolognese, einer Dokumentation über „Stuttgart 21“ und kühlen Getränken ausklingen.