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  • Eine Whiskyprobe im Einstein

    Eine Whiskyprobe im Einstein

    Inhaltsverzeichnis

    Feste Termine im Jahr sind für mich die Teilnahmen an ein bis drei Whiskyproben im Einstein in Husum. Laut Fotos auf meinem Handy bin ich bereits seit Ende 2016 dabei. Damals war es die Probe mit der laufenden Nummer 54. Vorgestern war Probe Nummer 80.

    Wir sind eine lose Gruppe von 11 Männern im Alter von 36 bis 63 Jahren, die sich im Laufe der Jahre immer verändert hat. Nicht alle können immer dabei sein, manchmal sind neue Gesichter dabei, manche kommen nicht mehr wieder, aber alle freuen sich immer, sich zu sehen. Für uns sind diese „Proben” inzwischen sehr liebgewonnene Termine geworden. Es ist wie ein kleiner Urlaub vom Alltag mit alten Freunden.

    Was ist das Einstein?

    Bar im Einstein
    Bar im Einstein

    Das Einstein ist Restaurant und Kneipe und liegt ziemlich zentral in der Husumer Innenstadt in der Straße Osterende. Bekannt ist es für seine große Anzahl an offenen Whiskys und Rums und die gute, bodenständige Küche. Und natürlich den kleinen Whisky-Laden hinten im Hof.

    Der klein Laden ist unscheinbar, hat aber gute Verbindungen zu Importeuren und kann deshalb auch oft Abfüllungen anbieten, die auf dem deutschen Markt sonst eher schwer zu finden wären. Teilweise gab es gewissen Abfüllung exklusiv nur dort. Und der dazugehörende Online-Shop ist nicht nur für Whisky-Liebhaber zu empfehlen.

    Was ist die Whiskyprobe?

    Seit 1999 findet etwa 20 mal im Jahr, immer an einem Samstag, eine Whiskyprobe im Einstein statt. An etwa acht Samstagen wird außerdem Rum verkostet.

    Es werden nicht bei jedem der 20 Termine immer neue Whisky-Sorten verkostet, sondern es teilt sich in drei bis vier Blöcke im Jahr auf. Pro Block werden immer die gleichen fünf Whiskys zum Testen angeboten. Man könnte also bei mehrfachem Besuch auch mehrfach die gleichen fünf Schlückchen bekommen. Das heißt, wir bekommen bei drei besuchten Terminen auch immer 15 neue Whiskys angeboten.

    Die 5 Gläser mit jeweils einem Schlückchen zum Probieren kosten zur Zeit 28 Euro. Wirklich betrunken wird man von der Menge aber nicht. Da muss man schon mit anderen Getränken für sorgen.

    Ins Leben gerufen und durchgeführt wurden die Whiskyproben bis vor zwei Jahren durch den Inhaber Albert Jänike selbst. Albert sieht übrigens aus wie Albert Einstein. Vielleicht deshalb der Name des Lokals. 🤔

    Inzwischen ist Albert im verdienten Ruhestand und kümmert sich nur noch um seinen kleinen Whiskyladen hinten im Hof. Die Aufgabe des Moderators hat jetzt der junge Vincent übernommen. Ein Angestellter des Lokals.

    Das Vorgeplänkel

    Meistens treffen wir, die Flensburger aus der Gruppe, uns vorher bei meinem langjährigen Freund Ronald auf der Terrasse, schnacken etwas, trinken schon mal ein Bier (oder zwei…) oder einen Whisky (oder zwei…).

    Irgendjemand hat auch immer einen neuen Whisky, ein Bier oder eine andere Spirituose dabei, welche er natürlich gerne vorstellen und teilen möchte. Und auch die eine oder andere Zigarette wird geraucht. Die paar Mal im Jahr kann das ja nicht so ungesund sein…

    Dann machen wir uns rechtzeitig auf den Weg ins Einstein. Manchmal fahren wir mit dem Bus nach Husum und besuchen vorher noch den Pub am Hafen, manchmal werden wir von Ronalds lieber Frau gefahren und in letzter Zeit teilen wir uns auch gerne mal ein Taxi.

    Üblicherweise kommen wir dann erst Minuten vor Beginn der Probe in Husum an und nehmen unsere Plätze ein. Dort stoßen wir dann auf den Rest der Gruppe, alles Nordfriesen.

    Ankunft im Einstein

    Zu Beginn bestellt sich jeder erstmal ein Bier und wir stoßen gemeinsam auf einen netten Abend an.

    Die Bedienung bringt dann an jeden Tisch einen Krug mit Wasser, Gläser, eine Schale mit Kaffeebohnen (zum Neutralisieren des Geschmacks zwischen den Whiskys), Stifte und einen Zettel mit einer Übersicht der zu verkostenden Whiskys des Abends.

    Auf der Vorderseite sind die Flaschen abgebildet und daneben ist Platz für persönliche Notizen. Auf der Rückseite befindet sich eine Landkarte Schottlands mit den verschiedenen Whiskyregionen und verschiedenen Vorschlägen für Adjektive von Optik, Geruch und Geschmack.

    Beginn der Veranstaltung ist dann um 17 Uhr.

    Ablauf der Probe

    Bar mit dutzenden Flaschen
    Bar mit dutzenden Flasche

    In jeder Runde stellt Vincent einen Whisky vor und erzählt etwas zur Destillerie, zum Whisky selbst, zu bekannten Personen oder zur Geschichte. Danach erhält jeder ein Nosing-Glas mit einem Schluck des Destillats und dann beginnt das große Sehen, Riechen, Schmecken und Fachsimpeln.

    Geschmacklich beginnen die Whiskys meist sehr mild und mit einem geringen Alkoholgehalt, bis hin zu den „Sherry- und Torfbomben“ am Ende, die sehr geschmacksintensiv und alkoholstark sind. Andersherum würde es die Geschmacksnerven belegen.

    Nach einiger Zeit kommt Vincent dann mit der Originalflasche herum, fragt, wie der Whisky so gefällt, was man dazu meint und verrät dann auch den Preis. In letzter Zeit schätzen wir am Tisch immer den Preis der Flasche. Die Spannweite reicht dabei von Schnäppchen (bis 45 €) bis zu unverschämt teuer (> 180 €).

    Übrigens kann man alle Whiskys des Abends auch im kleinen Laden bei Senior Albert erwerben. Und das tun wir auch regelmäßig.

    Natürlich vergleichen wir immer die Preise zwischen Laden und online. Sehr sehr oft sind die Preise im Laden aber so gut, dass sich ein Online-Kauf einfach nicht lohnt. Außerdem wollen wir den Laden vor Ort unterstützen. Albert ist auch ein Kaufmann alten Schlages und schätzt die in der Branche oftmals betriebene Preistreiberei überhaupt nicht. Er macht immer faire Preise. So landen oft genug eine oder mehrere Flaschen bei uns in den Rucksäcken.

    Das Quiz

    Nach dem vierten Whisky werden dann die Zettel für das Quiz ausgeteilt. Die fünf Fragen darauf lassen sich theoretisch leicht beantworten, wenn man Vincents Ausführungen aufmerksam zuhört und versucht, sich alle Fakten zu merken.

    Leider war unsere Gruppe bisher nur einmal erfolgreich. Und derjenige war auch nur einmal dabei. Glückspilz!

    Das wir nie gewinnen könnte daran liegen, dass wir neben den Whiskys der Probe auch reichlich Bier trinken. Vielleicht sind die Fragen aber auch einfach zu schwer. Man weiß es nicht…

    Die Zettel werden nach dem Austeilen des letzten Whiskys eingesammelt und nach einem Punktesystem ausgewertet. Falls zwei oder mehr Teilnehmer (es sind zu 95 % Männer) die gleiche Punktzahl haben, wird eine Stichfrage gestellt. Der Gewinner erhält dann eine Flasche Whisky.

    Gestern waren es sogar, sage und schreibe, 11 Personen mit den vollen 10 Punkten. Da musste dann erstmal eine Stichfrage gestellt werden. Die Frage nach der Größe der maximalen Kapazität eines Bourbonfasses (Hogshead: 250 Liter) konnte dann nur eine Person beantworten innerhalb von zehn Sekunden richtig beantworten.

    Essen

    Nach dem Ende der Veranstaltung wird dann endlich das Essen bestellt, auf das wir schon lange warten. Inzwischen ist es dann schon 20 Uhr und wir sind alle sehr hungrig. Der Alkohol macht es sicherlich nicht besser …

    Die Küche des Einstein bietet zum Glück eine große Auswahl an Speisen. Von Sauerfleisch über Currywurst bis hin zu Nachspeisen ist alles dabei. Alles ist gute deutsche Hausmannskost zu fairen Preisen. Und mit wirklich sehr reichlichen Portionen. Hungrig geblieben ist noch keiner von uns. 😉

    Bei uns sind das Schnitzel Holstein und die Currywurst mit Pommes die Dauerbrenner. Zu allen Gerichten gibt es auch einen kleinen Salat. Für mich ist eine Portion Schnitzel (es sind meistens zwei kleine Schnitzel) immer viel zu viel. Vielleicht machen sie irgendwann mal eine Seniorenportion davon.

    Essen auf dem Tisch
    Essen ist da! Vorne Schnitzel Holstein, hinten Currywurst mit Pommes

    Der Abend endet für uns dann in der Regel gegen 21 Uhr. Alle sind satt und zufrieden und treten dann den Heimweg an. Nach so einem Abend schläft es sich immer besonders gut.

    Fazit

    Unsere Truppe bei der 80. Whiskyprobe

    Es ist immer wieder schön zur Whiskyprobe zu fahren. Geschmacklich ist immer wieder eine neue Nuance an Aromen dabei und die gemeinsame Fachsimpelei macht einfach Spaß. Wenn man dann noch DEN Whisky des Abends für sich gefunden und gekauft hat und der von Preis und Leistung perfekt ist war es besonders gut und bleibt in Erinnerung.

    Unter dem Strich steht aber das Gesamterlebnis mit den langjährigen Mittestern im Vordergrund.

    Also: Geht doch vielleicht mal zur Whisky- oder Rumprobe in das Einstein in Husum. Oder einfach zum Essen. Es lohnt sich!

    Hinweis: Dieser Beitrag ist unverlangte und unentgeltliche Werbung aus persönlicher Überzeugung.

  • Wie ich zum schottischen Whisky kam

    Wie ich zum schottischen Whisky kam

    Früher war Whisky ja überhaupt nicht mein Ding.

    Nachdem wir als junge Erwachsene um die Jahrtausendwende die Fanta-Korn/Cola-Korn-Phase beendet hatten, wurde Cola-Whisky unser Lieblingsgetränk. Am Anfang war es Jim Beam, später Jack Daniels (beide Bourbon-Whiskys aus den USA) oder schon Johnny Walker Red Label (ca. 12 € im Angebot). Aber schottischen (Single Malt) Whisky pur haben wir gemieden.

    Isle of Arran Distillery (2017). Heute heißt sie Lochranza Distillery.
    Isle of Arran Distillery (2017). Heute heißt sie Lochranza Distillery.

    Ronald fing irgendwann an, sich für besseren Whisky, schottischen Single Malt, zu interessieren. Und irgendwann fing er mit seinem Kumpel Daniel an, regelmäßig zur Whiskyprobe nach Husum in das Einstein zu fahren. Das taten die beiden zusammen mit ein paar weiteren Bekannten.

    Auf einer Party bei Ronald war ich dann doch interessiert am Whisky, obwohl ich ihn bisher geschmacklich nicht mochte. Also schenkte Ronald mir einen Schluck des „flüssigen Goldes“ ein. Es war ein stark rauchiger Whisky. Einen Laphroaig oder Ardbeg denke ich. Eigentlich beides Sorten, die eher etwas für Kenner oder Geübte sind. Denn diese beiden Whiskys riechen im Glas wie ein alter Räucherofen, ein Torffeuer, frischer Räucherschinken, alter Aschenbecher oder ein altes Lagerfeuer. Manchmal auch mit maritimer, salziger Note. Also eher speziell. Das klingt teilweise erstmal nicht so schön, riecht aber für mich/uns umso besser.

    Ich mochte den Geruch damals sofort und auch geschmacklich konnte ich mich daran gewöhnen. Noch heute ist Ronald erstaunt, dass das damals mein Einstieg in die Whiskywelt war.

    Eines Tages fragte Ronald mich dann, ob ich auch mal mit zur Whiskyprobe kommen wollen würde. Ich kam mit, es hat mir sehr gefallen und seitdem gehen wir regelmäßig wieder hin.

    Seitdem bin ich Whisky-Fan. Ich bezeichne mich selbst nur als Fan, weil ich zwar viel über Whisky und seine Herstellung weiß, schon etliche getrunken und auch schon 15 Destillerien auf bisher fünf Schottlandreisen besucht habe. Aber ich würde mich nie als Experten bezeichnen. Also eher Fan oder Liebhaber.

    In dem Sinne: Slàinte mhath! (gälischer Trinkspruch; bedeutet Gute Gesundheit oder so viel wie Prost oder Zum Wohl)